Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 7-8 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554852-2554857--07209-2563218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 theils im Fränkischen Rötelsee, theils in Fulda und in Frankfurt a. W . Er erwarb sich hier denn auch gute talmudische Kenntnisse und' amtirte dann als Talmudlehrer in Frankfurt a.M., Gumpet in Hessen, Jülich, Trier und Essen 4 Jahre hindurch unter reichlichem Zuspruche von Schülern; denn er hatte sich den Namen eines großen Gelehrten erworben. 1595 verheirathete er sich 26 Jahre alt mit Bräunichen, einer Tochter des Juden Heimann, die ihm zwei Söhne schenkte, von denen der jüngere jedoch bald starb, während der ältere erhalten blieb. In diesen Verhältnissen lebte er nun bis in sein einunddreißigstes Jahr, bis 1600, wie er es selbst erzählt in der Widmung seines „Jüdischen Talmud" an Heinrich Julius, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in der Geraer Ausgabe von 1613, wo er seine Bekehrungsgeschichte mittheilt, während neuere Ausgaben leider diese Widmung ausgelassen haben. In jenem Jahre aber begab es sich, daß eine arme christliche Nachbarin Geld bedurfte und 8 Weißpfennige von ihm entlehnte, für welche Schuld ihm dieselbe als Unterpfand das Neue Testament in der deutschen Uebcrsetzung Luthers zurückließ. Gerson nahm das Buch an, denn er war begierig, einmal ordentlich die Lehre der Christen kennen zu lernen; nicht daß er an der jüdischen Religion gezweifelt oder irgend einen Artikel des christlichen Glaubens, von dem er nur wenig wußte, für wahr gehalten, sondern weil er gern gewußt hätte, „was es doch für ein kräftiger Jrrthum wäre, der so viele hunderttausend Seelen, alle Christen verführt, in dem sie ja doch nur die Verdammniß davontragen müßten". Er las deshalb nun im Beisein seiner beiden Schwäger Lazarus und Simeon unter vielem Spotte und Lästerungen das N. T. durch und durch, aber danach blieb ihm doch ein Stachel zurück. Besonders war es ihm ausgefallen, daß sich Christus selbst und seine Apostel so oft auf das A. T. beriefen und einen Spruch nach dem andern aus demselben anzogen. Darum las er es nun noch einmal still und heimlich für sich, selbst seine Frau durfte es nicht erfahren, er las es wieder vom Anfang bis zum Ende, schlug die angeführten Stellen des A. T. nach und verglich sie in beiden Testamenten: „Da fand ich denn ein solches Licht, daß ich billig Gott dem Herrn die Tage meines Lebens dafür zu danken habe. Denn da lernte ich erst recht verstehn, daß der Prophet Ezechiel