Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 35 (1879)
- Issue
- 1-2 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Jesus war todt. Man legte den Leichnam, den man wegen deS herannahenden Sabbakh- und Festtages nicht alsobald beerdigen konnte, vorläufig in eine vom Richtplatz nicht weit entfernte Höhle. Nach Ausgang des Sabbaths kamen die drei galiläischen Weiber zur Gruft, aber den Leichnam fanden sie nicht mehr. Sie vergossen reichliche Thränen, und in ihrem Schmerz, in ihrer gestörten Einbildungskraft glaubten sie, Jesus sei auferstanden. Der Ruhm der Auferstehung gehört der Maria von Magdala, sagt Renan; sie hat das Meiste für die Begründung des Christenthums gethan. Diese wahren Begründerinnen des Christenthums, Maria von Magdala, Maria Kleophas u. A. wurden bald vergessen und traten, wie Renan sich ausdrückt, in den Zustand verlassener Heiligen." So Kayserling, der den fast zweitausendjährigen Glauben aller der tausende von Millionen Christen aus verrückten Einbildungen zweideutiger Weiber ableitet und uns mithin als vom Wahnsinn befallen ansieht. Anständiger, aber nicht weniger charakteristisch schreibt Dr. D. Cassel, der bekannte jüdische Gelehrte, über Christum in seinem Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur. Dies Werk umfaßt die Geschichte der Juden von der babylonischen Gefangenschaft bis zur Gegenwart. Aus 533 Seiten enthält es über Christum an zwei Stellen zusammen folgende 5 Zeilen: „Pilatus war es, auf dessen Befehl Jesus (Jeschua), Sohn des Josef und der Maria, genannt Christus (der Gesalbte), gekreuzigt wurde." Und „Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth waren nicht die Einzigen, die ihren Freimuth mit dem Tode von der Hand der Römer und ihrer Helfershelfer büßen mußten." Man wird bemerkt haben, daß Kayserling und Cassel alle Schuld an Jesu Tode lediglich auf die Römer wälzen; das geschieht jetzt ganz allgemein unter den moderngesinnten jüdischen Schriftstellern. In früherer Zeit war man ehrlicher und machte sich noch ein Verdienst daraus, daß man Pilatus gezwungen hatte, den Gotteslästerer zu kreuzigen. Philippson besonders aber hat hier jene neue Wendung veranlaßt. Man thäte jüdischerseits jedoch besser, wenn man diesem Manne allein jene Kniffe, die er in der Schrift: „Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt?" angewandt hat, überließe. Doch was ist das wohl für eine Geschichtsschreibung, die für diejenige Thatsachc,. welche das gesammte Menschheitsleben seit