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Dibre Emeth · 1879-01-01 · 1-2 (1879) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
35 (1879)
Issue
1-2 (1879)
Date
1879-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15 Wir können angesichts dessen Jedermann ganz getrost die Frage selbst überlassen: Ob die Zahl von 100,000 getauften Juden in diesem Jahrhundert zu hoch oder zu niedrig gegriffen ist? Allerdings kommen nun diese 100,000 nur zu einem kleinen Theile auf die Rechnung der direkten Missionsarbeit, das hat unser Blatt stets selbst angeführt; kennt doch z. B. die russisch-orthodoxe Kirche nur eine ganz geringe Judenmissionsthätigkeit. Wenn wir aber die 3781 Getauften der Londoner Mission, und die etwa 600 der Berliner in Anschlag bringen und daneben erwägen, daß noch eine so große Zahl anderer Gesellschaften besteht, dann wird die Zahl von 5000 durch die Mission in diesem Jahrhundert getauften Juden durchaus als eine sehr mäßig geschätzte angesehen werden. Aber die Mission sieht auch nicht in diesem Punkte ihre größte Bedeutung; sie würde es als das Normalste erkennen, wenn überall die heimathlichen Kirchen an ihrem Orte das Werk übernähmen und ihr nur die Arbeit unter den Juden in nichtchristlichen Ländern übrig bliebe. Darum tritt sie zunächst in eine Lücke ein und wünscht nichts sehnlicher, als daß sie überall das Gewissen der Kirchen weckte, um dann denselben den Platz zu räumen. Die Schärfung des Gewissens der Christen und die Erinnerung an ihre Pflicht den Juden gegenüber hat aber allerdings die Mission als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachtet, und es wird ihr auch in zahlreichen Fällen zugestanden, daß sie erst wieder den Anlaß dazu gegeben hat, die Arbeit hin und her an den Juden aufzunehmen. Zugleich jedoch geht nun die Mission mit ihrem Beispiele voran. Sie erhebt ihre Stimme überall unter den Juden und hat einer großen Zahl von denen, welche hernach Christen wurden, aber ihre Taufen in den heimathlichen Kirchen und nicht durch Missionare empfingen, die erste Anregung gegeben. Könnte man sodann Nachweisen, wie oft es sich auf die Mahnungen der Mission zurückführt, daß Christen da und dort ihren Einfluß auf Juden ausgeübt haben, sodaß dieselben Hernachmals Glieder der christlichen Kirche wurden, dann würden auch die jüdischen Blätter einen andern Ton der Mission gegenüber anstimmen und sie wahrscheinlich noch ernster bekämpfen. Der Mission aber ist es genug, daß sie überhaupt Mitarbeiten darf.

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