Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 7-8 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Vergebung der Sünden und ewiges Leben anbiete. Weiset solche Gnade nicht von euch! Die Juden hatten freundlich zugehört, es war aber die Stunde des Abendgottesdienstes gekommen, und sie forderten mich nun auf, sie zur Synagoge zu begleiten. Ich folgte ihnen. Der Rabbi hielt in Judendeutsch eine Drösche über: „Deine Wege sind richtig und deine Steige lieblich". Nur für den tiftelnden Verstand hatte er aus diesem Worte etwas gefunden, nichts für das Herz, dasselbe blieb leer. Auf dem Heimwege zeigte ich meinen Freunden, wie sie in der Synagoge nur die Schalen zu essen bekämen, den Kern hätte allein die christliche Kirche bewahrt; in der katholischen Kirche ihrer Stadt aber zeigte ich ihnen zu ihrem Erstaunen auf dem Altargemälde den Spruch Jesaia 7,14 in hebräischen Worten. Kollege B. durfte Andern sogar in der Vorhalle der Synagoge das Evangelium verkündigen. 28. Straßenpredigten und ihr Iachspiel. In L. wurde der Missionar wiederholt zum Straßenprediger, zuerst für etwa 10, dann vielleicht 20 und endlich sogar 50 Juden auf einmal. Das erste Mal hatte sich ein Jude damit gerühmt, daß er nie die Synagoge besuche; als ich ihm aber antwortete, das sei kein Wunder, denn die Synagoge böte nichts, was die Seele befriedigen könne, erfolgte ein eingehendes Gespräch über Christenthum und Judenthum. Die Folge war, daß ich von nun ab auf der Straße keine Ruhe hatte, sondern von immer neuen Juden festgehalten wurde, um dasselbe Thema mit ihnen zu besprechen. Im zweiten Kreise fuhr man gegen die Meschummodim (Getauften) los, mußte aber hören, daß Meschummodim die Leute seien, welche den väterlichen Glauben verlassen, und Vater Abraham also der erste Meschummed sei. Das hat hier wie in vielen andern Orten seine Wirkung gethan. Ein Spötter erklärte, er wolle ein Christ werden, wenn er ordentlich bezahlt würde. Ich entgegnete demselben, daß er soviel erhalten solle, als er werth sei, und gab ihm einen Kreuzer. Unter dem Gelächter der Andern ging er hinweg. Am Abende die Hauptstraßenschlacht. Mit dem Rücken an ein Haus gelehnt und rings von jungen und alten Juden umgeben, lese ich ihnen Jesaia 53 hebräisch vor. Einwand auf Einwand erfolgt, ich fordere aber Gehör für Moses und Jesaias, welche