Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 3-4 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554844-2554847--06955-2562956- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 Gott weiß allein die Zeit des Lebens hier auf Erden, Er hat sie schon bestimmt, du mußt nur wachsam werden. Sei allezeit bereit, mach' nur dein Testament, So machst du dich geschickt zu deinem letzten End'. So will ich denn mein Gut den Freunden überreichen. Von selbsten ist gewiß, die Feinde müssen weichen. O Gott, du bester Freund, Erlöser, Schöpfer, Hort, Nimm Leib und Seele hin nach deinem wahren Wort. Du hast in deiner Huld mich liebreich ausgenommen, Aus Gnaden laß mich nur in deinen Himmel kommen. Der Bürge zahlt für mich, der giebt das Lösegeld Sowohl für meine Schuld, als auch der ganzen Welt; Drum darfst du mich ja nicht um Sündenschuld verdammen. Wenn Christus Bruder ist, was schaden Höllenflammen? Nichts, denn der Richter ist hinfort mein bester Freund, Der Bund und Treue hält und nur mein Bestes meint. Drum nimm. Dreieiniger, so meinen Leib als Seele Zu deinen Freuden hin, du bist's, den ich erwähle. Ihr, Freunde, trauert nicht, hier ist die Freudenstadt, Wo man die wahre Ruh' und besten Güter hat. Ach, gönnet mir das Gut, das mir mein Gott beschieden! Der Heiland gebe euch, wie mir, den echten Frieden. Ich stehe nun verklärt vor Gottes Thron Und bin verewiget in dem geliebten Sohn. Wer soll, fragt Jener dort, doch von den andern Sachen Der rechte Erbe sein? wer soll die Rechnung machen? Die Eltern haben wohl das nächste Recht daran; Ja, doch nach ihrem Tod, wer ist, der erben kann? Die Brüder stehen ab, Gott wird sie unterhalten Und mit der Vaterhuld stets über ihnen walten! Drum gebe ich's allein dem Jnstitutum hin. Das ist mein Testament und meines Herzens Sinn. Noch Eins: Die Erde soll den Leih so lang bewahren, Bis mich der Herr erweckt mit jenen Himmelsschaaren. Bedenke doch dabei, du, der du dieses liest: Ob du nicht auch ein Mensch und also sterblich bist? Halle, den 19. Juli 1751. Albrecht Friedrich Woltersdorf.