Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 34 (1878)
- Issue
- 1-2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 ( einen Strom von Thränen aus, indeß aber rief sie: „Weh' mir, weh' mir! Ich habe gegen meinen Gott und Heiland gesündigt! — Keine Gnade mehr für mich!" Sie fiel in Ohnmacht. B., ihr Ehegemahl, stand erschrocken da und starrte mich an. Ich sagte zu ihm: „Holen Sie ein Glas Wasser!", nahm dann vom Gesims eine Flasche Eau de Cologne und rieb mit demselben die Stirn der ohnmächtigen Frau, bis sie wieder zu sich kam. Nach einigen Minuten sagte sie zu mir: „Kann ich, darf ich denn noch aus Gnade hoffen?" „Ja wohl," antwortete ich, „denn der Herr selbst sendet Ihnen diese Botschaft; gewiß. Sie haben Ihren Heiland verleugnet; aber da er Ihre Reue und herzliche Buße sieht, sagt er zu Ihnen: Alle Sünde und Lästerung soll den Menschen vergeben werden, und wer ein Wort gegen des Menschen Sohn redet, dem soll es vergeben werden." „Ach, daß ich diese Worte als für mich gesprochen ansehen dürfte!" seufzte die Frau. B. war mit einem Glase Wasser zurückgekehrt und hatte die Klagen seiner Frau gehört und die Worte des Trostes, den ich ihrem bekümmerten Gemüthe einzuflößen bemüht war. Er wandte sich zu mir und sagte: „Darf ich Sie bitten, uns jetzt zu verlassen, da meine arme Frau, wie Sie sehen, an einem hysterischen Ansalle leidet; aber kommen Sie, bitte, kommen Sie wieder." „Ach ja," rief Frau B., „bitte, kommen Sie wieder, kommen Sie morgen." Ich versprach, ihren Wunsch zu erfüllen, und ging. Am folgenden Tage besuchte ich die Familie wieder und wurde empfangen, als wäre ich ein Engel Gottes. B. und seine Frau und ihre sechs Kinder umringten mich mit so freundlichen Gesichtern, als wäre ich ihr liebster Verwandter, der nach langer Abwesenheit zurückgekehrt ist. „Willkommen! willkommen!" sagte Frau B., „mein Mann sehnt sich schon, von Christo zu hören" u. s. w. Ich hatte eine Zuhörerschaft, die mich an das Haus des Hauptmanns Cornelius erinnerte und an den Apostel Petrus. Ich öffnete ihnen die Schätze der Geheimnisse des Evangeliums, und Gott öffnete das Herz B.'s, der das Wort des Heils mit Freuden annahm. Er ries aus: „Warum haben unsere Rabbinen, die doch diese Wahrheit gekannt haben mußten, warum haben sie mich nicht besser belehrt? Ich glaube, ja ich glaube von Herzen, daß Jesus Christus der Messias ist, er ist der Sohn Gottes!" Als ich dies Bekenntniß hörte, sang ich in chaldäischer Sprache,