Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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130 vor dem eigenen Gewissen sich durch den Ueberwurf einer modernreligiösen Phraseologie zu verbergen; sie suchen noch vielmehr ihre Einzigart zu retten, indem sie gegenüber den zersetzenden Einflüssen der modernen Kultur um so entschiedener das jüdische Stammesbewnßtsein ausbildcn. Und ist dabei die Zahl derer unter ihnen, welche Allerwcltslente werden, so daß sie selbst nicht einmal die Verheirathung mit Christen scheuen, eine verhältnißmäßig sehr bedeutende, bröckelt daher von dem Ganzen ein großer Thcil ab, so schließt sich die übrige Masse desto energischer zusammen. Ja, das Gefühl ihrer Zusammengehörigkeit war unter ihrer Majorität vielleicht niemals stärker als heute; und entschiedener als in unfern Tagen sind ganz gewiß die Juden der ganzen Welt noch nie durch literarische und diplomatische, wie durch finanzielle Mittel für einander eingetreten. Es ist in der That, als sollte sie ein einziges großes halb ideelles, halb materielles Band mit einander verbinden; und die in der neueren Kultur fortgeschrittensten Juden stehn hierbei gerade an der Spitze dieser ganzen Bewegung. Juden und Judenthum werden in der neuen Periode aus einer Religionsgemeinde und einer besonder» Religion, die ihre Träger in einem bestimmten Stamme besitzt, eine bestimmte Race, die eben an sich selbst glaubt, oder ihre bloße Gemeinschaft zu einer besondern Religion erhebt, und die von der übrigen Welt fordert, dieselbe solle nun eben auch an sie glauben, um so ihr Heil zu erlangen. Die Erfahrungen des Lebens warnen nun freilich unsere Juden, diese Bahn in ihren Gedanken, in ihrem Wirken und Streben zu verfolgen; einstweilen jedoch ziehn sie dieselbe nur desto sicherer dahin. Freilich nicht Alle! Das Sehnen und Verlangen aller Herzen wird eben auf diese Weise nicht gestillt, sondern gar manches fordert ein bleibendes,, ewiges Genügen, und alsdann ist auch dem Evangelium der Zugang geöffnet. Die Mission hat Beides wieder erfahren, sowohl, wie sicher die große jüdische Masse ihre Jrrbahnen verfolgt, als auch, wie der wahre Friede in Israel nur bei dem Heilande aller Welt gefunden wird. Von Beider^- wollen die nachfolgenden Zeilen berichten. Es ist ja bekannt, daß die Londoner Missionsgesellschaft den Juden in Europa, Asien und Afrika nachgeht; hören wir nun etliche Zeugnisse ihrer Missionare aus diesem ganzen großen Gebiete.