Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibre Emeth oder Stimmen -er Wahrheit an Israeliten und Freunde Israels. Begonnen von I. C. Hartmann, fortgesetzt von -e le Roi. Nr. 9 u. 10. 1877. 33. Jahrgang. Die Londoner Mission 1876. Die Londoner Gesellschaft für die Mission unter Israel hat bereits ihren 69. Bericht erstattet und welche wechselvollen Erfahrungen im Zeiträume derselben auf ihrem Arbeitsfelde gemacht! Die Juden in der Anfangszeit ihrer Thätigkeit und die Juden von heut scheinen kaum mehr dasselbe Volk zu sein. Aeußerlich und innerlich sind in der ganzen Judenschaft der Welt so große Veränderungen innerhalb dieses Jahrhunderts vor sich gegangen, wie wohl noch nie in der gleichen Spanne Zeit während ihrer ganzen vielhundertjährigen Geschichte. Als die Londoner Mission ihr Werk definitiv 1809 begann, trug die Judenschast aller Orten überwiegend das talmudische Gepräge und hielt daher auch in ihrer großen Mehrzahl noch an der Offenbarung fest. Seitdem aber hat sich die äußere und innere Verfassung derselben in kaum glaublicher Weise verändert. Es ist nunmehr in steigendem Maße zu Tage getreten, daß eine neue Periode für die Juden und das Judenthum begonnen hat: die des Kulturjudenthums. Das Alte ist noch nicht endgiltig überwunden, es ist nicht in allen Ländern gleichmäßig in den Hintergrund gedrängt, aber das Schicksal desselben ist besiegelt: eine neue Zeit bricht allenthalben in Israel an und macht, wenngleich unter heftigen Kämpfen, dem talmudisch-mittelalterlichen Wesen ein Ende. Aber eben nicht ein religiöser Gedanke ist die neue bestimmende und die Herrschaft erstrebende Macht, sondern ein rein weltlicher; Juden und Judenthum suchen in der modernen Kultur ihr Heil und ihr höchstes Gut; sie suchen dasselbe freilich auch zugleich religiös zu verbrämen und das rein weltliche Streben