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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 7-8 (1877) · page 3

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Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
7-8 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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99 Wie sieht es mithin in der Preußischen Judenschaft aus, wenn man hier bereits bei der achten in ihrer Mitte eingegangenen Ehe im Stande war, die Stammes- und Ratzengemeinschaft so gering zu achten! In der That, allen Phrasen und aller Selbstberäucherung gegenüber, welche die jüdischen Führer sofort überkommt, wenn sie von Juden und Judenthum sprechen, legt ein derartiges Vorkommniß ein gar seltsames Zeugniß ab. Unwiderleglich beweist dasselbe, daß die moderne Kultur und die Emancipation den Boden unter den Füßen der Juden in kaum geahnter Weise erschüttert hat. Hochmnth ist hier so recht eigentlich vor dem Falle gekommen. Und die Betheiligung der Juden an dem Leben der Völker oder an der modernen Civilisation hat sie nicht auf eine höhere Stufe der Kraft und des Widerstandes gegen ihre Umgebung erhoben, sondern hat sie auf's Äeußerste geschwächt. Eine Zukunft Israels steht uns fest. Aber ebenso gewiß ist es uns, daß, wenn die Entwickelung der Dinge in ähnlicher Weise ihren Einfluß auch auf die übrigen Glieder des jüdischen Stammes und zumal auf die Judenschaft in den slavischen Ländern ausüben wird, dies das gewisseste Anzeichen der nahenden Entscheidung sein wird. Weicht selbst der bisher festgehaltene Naturboden, dann muß die letzte Schlacht nicht mehr so ferne sein. Zugleich aber werden wir freilich auch hierdurch daran erinnert, daß gar viel von Israel hinweggezehrt sein wird, wenn seine letzte Periode eintritt, und daß nur „ein Rest" desselben an den Verheißungen der Zukunft betheiligt ist (Jes. 10, 22. 23. Röm. 9, 27). „Ganzisrael", welches der Apostel Paulus sich bekehren sieht (Röm. 11), ist nicht wie der Sand des Meeres, sondern im Vergleich zu der großen Zahl, zu welcher es vorher erwachsen war, nur „ein Rest". Beides will sestgehalten sein, um die Entwickelung unter unseren Juden recht zu verstehen. Doch welch' ein Licht fällt auch auf eine christliche Bevölkerung, unter der Erscheinungen dieser Art Vorkommen können! Die religiöse Gleichgültigkeit muß einen hohen Grad bereits erreicht haben, und dies um so mehr, wenn man bedenkt, wie tief gerade in Deutschland der Gegensatz gegen die Juden stets empfunden ward: die Juden galten den Deutschen ja als der verkörperte Widerspruch gegen ihre tiefsten und heiligsten Gefühle. — Am Ernstesten stellt sich hierbei aber die Sache für die evangelische Kirche Preußens. 7*

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