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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 5-6 (1877) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
5-6 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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85 Dies ist ihr auch gelungen, und sie leitet nun seit einem Jahre ein Erziehungs-Institut für Mädchen aus den besseren Ständen in Neapel. ' Dasselbe ist von einer christlichen schottischen Dame, der die geistige Verkommenheit der italienischen Bevölkerung auf's Herz fiel, in's Leben gerufen. Der Zweck dieser Anstalt ist Verbreitung des Evangeliums und geistigerer Bildung unter dem weiblichen Theil der Bevölkerung Neapels. Frl. Bremer zur Seite steht eine junge Dame aus Schlesien, die es sich zur Aufgabe macht, ihrer Freundin mit allen ihren Kräften beizustehen, weil sie es für ihre Pflicht hält, ihr, welche den christlichen Glauben erst so spät und unter so viel Leiden sich errungen hat, das Leben zu erleichtern. Beide aber sind gemeinsam bemüht, die Seelen der Kinder vor allem Andern dem Heilande zuznführen. Die Zöglinge sind römischkatholischen Bekenntnisses; ihre Eltern jedoch so freisinnig, daß es ihnen gleichgültig ist, in welcher Religion ihre Kinder erzogen werden und zu welcher sie sich später bekennen. So säen denn die beiden Jungfrauen auf Hoffnung und bereits auch mit sichtlichem Erfolg ihren Samen in die weichen, leicht empfänglichen Kinderseelen. Treue Unterstützung finden sie hierbei an dem französischen reformirten Prediger der Stadt und bilden im Verein mit der reformirten Kirche einen Sammelpunkt für den kleinen evangelischen Kern Neapels, dieser Stadt der Leichtlebigkeit und Zerstreuung. Wohl bestehen innerhalb Neapels noch mehrere protestantische, von der Regierung begünstigte Institute, doch tragen dieselben einen ganz freisinnigen Charakter. Kathvlischerseits liegt die Erziehung hauptsächlich in den Händen der Klöster, wo sich der Unterricht auf Handarbeiten, etwas Katechismus und Tanzen beschränkt. — Das fröhlich aufblühende Institut der beiden Damen ist nun aber durch den plötzlichen Tod jener schottischen Dame in eine sehr bedenkliche Lage gerathen. Denn nunmehr fällt der ansehnliche Beitrag hinweg, welchen dieselbe für die Erhaltung des Institutes zahlte. Die Anstalt, welche von ungefähr 30 Zöglingen besucht wird, ist aber noch nicht im Stande, sich selbst zu erhalten, und so müßte denn das hoffnungsvolle Unternehmen aufgegeben werden, wenn sich nicht vielleicht noch auf 3 Jahre, nach welcher Zeit sich das Institut wohl selbst erhalten könnte, Hilfe fände. Aus Italien selbst ist wohl keine Unterstützung zu erwarten, da die Kinder den besseren Ständen angehören und die Sache nicht an die Oeffentlichkeit treten kann.

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