Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 5-6 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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77 gehen ließ und daß er ihnen Kraft gab, an uns und unserem Volke zu arbeiten, ohne zu ermüden. Seit der Zeit, unserer Vorväter bis heute ist es eine nie gehörte Thatsache, daß aus dem Lande von jenseits der Meere Männer gekommen sind, welche die Inden unseres Landes unterrichteten und tauften. Dies aber ließ der gnädige und liebreiche Gott geschehen zu unserer Zeit, worüber wir uns alle Tage freuen, und die Freude, einen Heiland und Erlöser zu haben, wird uns stets neu. Nicht allein aber erscheint uns, was Gott an uns und für uns gethan hat, anbetungswürdig, sondern auch die sich noch im Unglauben befindenden Juden erkennen es als ein Wunder Gottes. Liebe Väter in Christo! um Ihnen ein Bild von den traurigen Zuständen unseres Landes zu geben, will ich Ihnen erzählen, was sich vom Mai bis November bei uns zugetragen hat. Während der Abwesenheit des Königs stand bei uns ein Rebell, Schwestersohn des Königs Theodorus, aus. Der König sandte einen seiner Generäle mit einem großen Heer in's Land, um den Rebellen zu bekriegen; dieser aber flüchtete sich nach Quara, nachdem er 4 Monate in Dembea regiert hatte. Die Königl. Soldaten plünderten das Land und uns aus; dadurch entstand große Hungersnoth. Auf diese Plage folgte die Rinderpest, an welcher fast alles Vieh starb. Nach diesem wurden fast alle Hunde toll, und viele Menschen, die gebissen wurden, starben einen schrecklichen Tod. Nach allem diesen brach eine Pest unter den Menschen aus, die Viele wcgraffte. Es wurde den Leuten bange. Der Königl. Gouverneur Ras Wolda Selassie ließ durch seinen Herold ausrufen: „Bekehret euch zu Gott, betet zu ihm, lebt mit einer Frau und nehmet das heilige Abendmahl. Betet Morgens und Abends." Dieser Befehl aber war nicht aus der Betrübniß über die vielen und großen Sünden geboren und geschah nicht, weil die Leute mit bußfertigem Herzen Gott suchten, sondern es handelte sich bei den Meisten allein um die fleischliche Noth. Doch giebt es auch solche, die in Wahrheit umgekehrt sind und Gott suchen. Ueber uns und die Gläubigen kann ich mittheilen, daß, nachdem Herr Flad uns verlassen hatte, wir während der Zeit von 9 Monaten ungestört unserem Evangelisten-Berufe nachgehen konnten. Wir machten mehrere Missionspredigtreisen, und die Leute waren zum großen Theil empfänglich für das Wort Gottes. Unsere Schulen