Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554828-2554835--06685-2562678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
191 legen sein lassen solle. Die Bitte ist nicht vergeblich geschehen. In Breslau wirten gegenwärtig mehrere Christen in solcher Weise für das Heil ihrer jüdischen Brüder. Und in manchem Hanse hängt überdem ein Missionsbüchslein zur Sammlung von Gaben für die Judenmission. Am Lebhaftesten unter den Juden Deutschlands zeigten sich wieder die in den Distrikten der Provinz Preußen, welche an Rußland grenzen, für religiöse Fragen interesfirt. Kaum konnte Missionar Klee ans einer dortigen Reise alle Wünsche nach Traktaten befriedigen. Von der Danziger Station aus sind nicht weniger als 10,391 Schriften unter den Juden des preußischen Ostens verbreitet worden. Der eine der Kolporteure hat für seine Schriften in etwa 3800 jüdischen Fainilicn Eingang gefunden. Gelesen wird überhaupt in den Kreisen der deutschen Inden recht viel auch über religiöse Gegenstände, aber mehr zur Oricntirung als aus einem ernsteren Interesse. Das gegenwärtige Kulturleben, an dem unsere Juden so regen Antheil nehmen, nöthigt nun einmal überall, sich mit der religiösen Frage auseinandcrzusetzen, aber das Herz kann deswegen derselben doch recht innerlich fremd gegenüberstehen. So werden die Konflikte, in welche sich die deutschen Juden in ihrer eigenen Mitte verwickelt sehen und welche sie im christlichen Lager wahrnchmen, für sie zwar der Anlaß zu höchst erregten Debatten und Streitigkeiten, aber man merkt hierbei sehr wenig davon, daß es sich um Allerinncrstes und Ewiges handelt. Der Frage der Ewigkeit hat das deutsche Judenthum nie kälter gegenübergestanden als heute, und an religiösem Gehalt war cs daher auch niemals ärmer. Die Londoner Mission hat das an ihrem Theile wieder recht zu erfahren Gelegenheit gehabt; und mit tieferem Schmerze arbeitet sie daher auch kaum auf irgend einem Gebiete, als aus dem deutsch - jüdischen, auf dem sich der Widerspruch zwischen Schein und Wesen entschieden am Kunstvollsten zu verhüllen sucht und dabei nun doch am Tiefsten geht. Bon den Erfahrungen auf dem übrigen Missionsfeldc, witt's Gott, ein anderes Mal.