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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 11-12 (1876) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
11-12 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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162 Ernste vertiefte sie sich schon als Kind in den Glauben ihrer Väter und schon damals hatte sie Stunden, wo der heilige Geist mächtig an ihr junges Herz klopfte. Am liebsten war sie für sich allein und betete viel. Aus ihren hinterlassenen Papieren giebt folgendes Gebet Zeugniß von dem Suchen ihres kindlichen Gemüths, in ihrem 14. Jahre ausgeschrieben: „O Du großer und anbetungswürdiger Adonai! Quelle der Liebe! höre auf das Gebet eines sündigen, widerspenstigen Kindes; verbirg Dich nicht vor meinem Flehen! Möge Dein Geist meine dunkle, verfinsterte Seele erleuchten; möge er den Trübsinn verscheuchen, der nun meinen Geist niederbeugt! Wenn ich in mein Herz blicke und sein Verderben sehe, wenn ich an den Undank denke, womit ich Deine Liebe vergolten habe, so legt sich meine Seele in den Staub. Du, der Du mir erlaubest, mich an Dich als meinen Gott und Schöpfer zu wenden, Du stehest meinen Zustand, Du kennest mich durch und durch. O Gott! ich bin stolz, eigenwillig, weltlich gesinnt und kann nicht glücklich sein. Du hast mir aber ein brennendes Verlangen nach Dir eingeflößt, antworte mir nach Deinem Wort, welches die Wahrheit selbst ist, ewig wie Du selber. Zeige mir, was ich nach Deinem Willen sein und thun soll, und ich will ernstlich um Deinen Beistand beten, damit ich Deinen Willen erfüllen könne. O mögest Du aufstehen und durch Deine herrlichen Strahlen meine geistliche Finsterniß zerstreuen! Segne meine Seele und laß mich glücklich sein in Deiner Furcht! Amen!" Wollte Gott, daß doch recht viele Christenkinder ihn also suchten in solchem Alter! Leila mußte aber noch lange suchen, las sie doch das Alte Testament viel weniger als die Satzungen des Talmud, daraus seit Christi Verwerfung aller Juden Werk und Wesen steht. Befriedigen konnte sie aber der Talmud schon damals nicht, ja, sie schreibt später, schon damals habe sie ohne Gewissensbisse ihrem Herzen geradezu erklärt: der Talmud sei ein unzüchtiges, thörichtcs Machwerk, von gefallenen und sündigen Menschen verfaßt. Schon in ihrem siebzehnten Jahre machte sich Leila Vorwürfe, daß sie „über dem Talmud und der orientalischen Gelehrsamkeit das hochgelobte Wort Gottes vernachlässigt habe". Sie nahm sich deshalb vor, ausschließlich das Alte Testament als das reine Wort Gottes gründlich zu studiren. Sie hielt die Ankunft des Messias damals für nahe bevorstehend und bat Gott um Vergebung, daß sie die

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