Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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123 nommen. In Folge dessen sieht sich der Staatsanwalt auch genöthigt, die Anklage auf Wechselfälschung zurückzuziehn. Es blieben mithin nur noch die Beschuldigungen betr. die Ohrringe bei Raps und die Fingerringe bei Zipper, über welche die Geschworenen zu entscheiden haben. Der Verthcidiger, Dr. Göttlich, ein Jude, erinnert die Geschworenen in seiner Rede, daß Goldstern schon im Februar für das Verbrechen des Betrugs vor das Gericht hätte kommen sollen, dies aber durch die ueueingebrachte Anklage des Schwiegervaters auf Wechsclfälschung verhindert worden sei. „Ich frage Sie," fährt der Vertheidiger fort, „ob es Teuflischeres geben kann, als daß ein Schwiegervater seinen eigenen Schwiegersohn, welcher bereits mit der Aussicht, eine harte Strafe zu erleiden, vor das Gericht berufen ist, noch dazu verklagt, daß er 4 Wechsel gefälscht habe? Ich gehöre nicht dem Glauben an, zu welchem sich jetzt der Angeklagte bekennt, sein Evangelium ist nicht mein Evangelium, aber ein Gott ist über uns Allen: der Gott der Wahrheit! Der Herr Staatsanwalt sagte, daß Goldstern, Geld zur Reise gebrauchend, sich dasselbe durch Versetzung von Kleinodien, welche er bei Goldarbeitern betrüglich zusammengerafft, verschafft habe — aber den Beweis des Betruges ist er uns schuldig geblieben. Alle seine Behauptungen stützt der Herr Staatsanwalt durch Angaben jenes einzigen und herzlich wenig glaubwürdigen Mannes, der ganz sichtlich unter dem Einfluß des überfanatischen Schwiegervaters von Goldstern steht. I. Goldstern ist ein ehrlicher Mann; er hat sich dem heiligen Berufe eines Missionars gewidmet, und es will .nicht gut thun, daß man ihm um eines so heiligen.Werkes willen Schaden zusüge. (So der Vertheidiger, ein Jude!) Die Geschworenen, und unter ihnen waren 3 Juden, sprachen einstimmig das Urtheil „Unschuldig" aus. — So weit die Gazeta Narodowa. Goldstern wurde sogleich entlassen. Selbst viele Juden erklärten ihm ihre herzlichste Sympathie. Seine Frau, welche ihr Vater zurückgeholt, hatte indeß bange und überaus schwere Monate bei demselben zugebracht; ihr Kind war ihr überdem während dieser Angstzeit gestorben. Nun sind beide Eheleute über Breslau nach Köln zurückgekehrt; sie können fortan im Frieden dem Herrn dienen, der sie erlöset hat, und der das gute Werk, welches er