Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 5-6 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554828-2554832--06578-2562568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 testen Ihrer Gemeinde übernehmen, und sein Leben nicht in zeitweilige, aber sich wiederholende Pflichten, die stets seinen Gefühlen widerstreben, verflechten, noch seine geschäftliche Thätigkeit durch sie unterbrechen. Ich bedaure die Gelegenheit, welche mich mit so manchen Andern aus dem Bereiche Ihrer Gerichtsbarkeit treibt. Der größere Theil Ihrer Gemeinschaft ähnelt gar zu auffällig dem Stamme Ephraim, den Hosea so merkwürdig beschreibt Kap. 7, 8: „Ephraim mengt sich unter die Völker; es ist wie ein Kuchen, den Niemand umgewendet". Das ist ein Kuchen auf dem Heerde, der auf der einen Seite schon fertig gebacken, auf der andern Seite noch roh ist, halb Jude, halb Nichtjude! Warum haben Sie so viele Ephraimiten? Die Ursache dieses Uebelstandes ist Ihres Nachforschens werth. Meine Herren, lassen Sie mich hinzufügen, daß, wenn die Regierten unbotmäßig sind, ein Schade an den Regierern zu entdecken sein wird. Selbst das Regiment einer kleinen Sekte kann nur bei erleuchteten Grundsätzen sicher geführt werden und muß sich mit praktischer Weisheit den bestehenden Umständen anpassen, vor Allem aber mit zarter Rücksicht gegen die verletzten Gefühle seiner zerstreuten Glieder geschehn. So etwas wie Familienliebe sollte uns aneinander ketten — eine Gesellschaft, die durch die freiwillige Unterstützung ihrer Mitglieder besteht, befindet sich natürlich in einem schwachen Zustande, und wenn sie sich eine willkührliche Macht zulegt, kann blinde Ueberstürzung bei einem schwachen Körper nur zur Selbstzerstörung führen. Manche Ihrer Mitglieder haben Sie schon verloren, manche sind Sie im Begriff zu verlieren! selbst die, die nach ihrer Gemüthsbeschaffenheit und nach ihren Gefühlen Ihnen noch anhängen würden, lösen sich allmählig ab. Aber diesem allen gegenüber berufen Sie sich beständig aus Ihre bestehenden Gesetze, welche Sie auf alle Brüder in gleicher Weise anwenden wollten. Gerade über diese veralteten Gesetze herrscht so manche Klage. Sie waren von Flüchtlingen für ihre besondere Lage gegeben, die von der unser« völlig verschieden ist, und sind uns so fremd wie die Sprache, in der sie geschrieben sind (Spanisch und Portugiesisch). Einige von Ihnen rühmen sich, daß Ihre Gesetze noch genau wie vor einem Jahrhundert sind. Sie haben Gesetze, um das zu ordnen, was zu existiren aufgehört hat; Sie haben Gesetze, welche sich in