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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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172 ohne daß jedoch ein direkter und systematischer Unterricht in den Lehren des Christenthums zulässig gewesen wäre. Die heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments ist das einzig gebrauchte Lesebuch, und die meisten der älteren Zöglinge besitzen eine anerkennenswerthe Bekanntschaft mit den Thatsachen der evangelischen Geschichte. Die Schule wird geöffnet und geschlossen mit einem Gebete im Namen Jesu, an dem freilich noch einige der älteren Knaben zweifeln, wie diese denn auch die messianischen Verheißungen nicht mit dem Herzen lernen. Ein Knabe verließ deßwegen sogar die Schule, kehrte jedoch bald zurück und bat demüthig um die Erlaubniß, die Studien beendigen zu dürfen. Die Schulprüfung fand am 11. Dezember Statt; zu derselben wurden vier Herren, unter ihnen zwei einftußreiche, in Tunis wohnende europäische Juden, besonders eingeladen, um selbst die Zöglinge zu prüfen. Die Knaben erhielten Fragen über religiöse und weltliche Gegenstände, und das Resultat schien Alle zuftiedenzustellen. Zum Schluffe richtete einer der Examinirenden, der Direktor der englischen Bank des Ortes, eine Ansprache an die Knaben und erinnerte sie, daß sie die Furcht Gottes allein recht weise und zu ehrenhaften und nützlichen Gliedern der Gesellschaft machen könnte. Neben dieser Knabenschule besteht eine Abendschule für erwachsene Juden und eine Mädchenschule. Da die religiöse Erziehung ihrer Töchter den jüdischen Eltern etwas Gleichgültiges ist, s o hat man größere Freiheit, sie in den Lehren des Christenthums zu unterrichten, so daß, außer dem Lesen des Neuen Testaments, dem Erlernen der messianischen Weissagungen und anderer Schriftstellen, ein voller Katechismusunterricht einen Theil ihrer religiösen Belehrung bildet. 3. Ulerandria. Der Missionar dieser egyptischen Station, Prediger Reichhardt, berichtet, daß während die Juden dieses Ortes sich im Weltlichen in einem höchst blühenden Zustande befinden, ihr religiöser Zustand ein äußerst trauriger ist. . In der europäischen Abtheilung ihrer Gemeinde gibt es nur wenige, welche sich um irgend welche Religion bekümmern. Die meisten derselben treiben ihre Geschäfte am Sonnabend und finden sich höchst selten zum Gebet in der Synagoge ein. Ganz anders steht die Sache mit den eingeborenen Juden.

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