Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 5-6 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554813-2554817--06156-2562135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 noch retten lassen wollen, ein Plätzchen zur Weiterausbildung öffneten. Gleichzeitig geht die dringende Bitte an christliche Handwerker oder aber an christliche Anstalten, welche Handwerker ausbilden, gütigst für meine Proselyten ein Plätzchen in ihren Werkstätten liebevoll eröffnen zu wollen. Wer die hiesigen Verhältnisse nur etwas kennt, wird es begreiflich finden, daß hier am Orte nur sehr Wenige untergebracht werden können, weil meine Gemeinde sehr klein und die Stellung eines getauften Israeliten unter so vielen Juden, wie hier, immer eine recht schwere ist. Gut ist es, wenn ein junger Christ auf einen andern frischen Boden kommt. Hier aber zu diesem Zwecke Werkstätten einrichten zu wollen, wäre erstens zu kostspielig, dann aber findet man kaum die Leute dazu, wie solches uns die Erfahrung gelehrt hat. Die erste Hälfte des verflossenen Jahres hatten wir mit mancherlei Beschwerden zu kämpfen und mußten manche trübe Erfahrung auch an unfern Proselyten machen, einige waren aufverkehrte Wege gerathen und bereiteten uns tiefes Herzeleid. Wir hoffen aber dennoch, daß der Herr, der das gute Werk der Bekehrung an ihnen angefangen hat, in Gnaden jene armen Seelen wieder so leiten wird, daß sie ihn loben und preisen werden. Unsre Wohnung, in welcher drei Jahre hindurch das Proselytcn-Asyl war, und in welchem der Hausvater mit den ihm Anempfohlenen wohnte, mußte aufgegeben werden, da der Hauswirth den Miethszins um das Doppelte steigerte, und somit statt 300 jetzt 600 Rbl. jährlich bezahlt werden müßten. Jene Wohnung, die an und für sich viele Unbequemlichkeiten hatte, besonders darin, daß sie entfernt vom Pfarrhause war, wurde aufgegeben und die frühere Pastoradjunkt-Wohnuug, in welcher vor Zeiten P. Gurland wohnte, als Asyl eingeräumt. Es stellte sich nun aber heraus, wie jenes Haus nicht allein in vielen Stücken nicht passend, sondern auch viel zu klein dem Anströmen der Israeliten gegenüber war. .Wir befanden uus in der dringenden Nothwendigkeit, das Haus zu erweitern. Ein Blick in die Kasse konnte eben nicht sehr ermuthigend wirken, da sie mit Berücksichtigung der bis zum Jahrcsschluß noch erforderlichen Ausgaben die Summe von 500 Rbl., also nicht ein Viertel des erforderlichen Geldes, auswies. Da aber mein treuer Herr zu jeder Zeit mir gnädig geholfen hat, wenn ich die Hand an den Bau in seinem Reiche legte, so ging ich denn mit festem Vertrauen auf seinen Beistand an die Arbeit.