Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Verhältnisse Abyssiniens die Mission unter den dortigen Jude» wieder lebendiger in Angriff genommen werden können, und sollten diese dann sich noch ferner religiös so angeregt zeigen, wie cs bisher der Fall gewesen ist, dann dürfte dieses jüdische Reis in dem Boden Afrikas noch eine besondere Wichtigkeit gewinnen. Briefe, wie der oben mitgetheilte, zeigen, daß jene neu gewonnenen Juden eine bemerkenswerthe evangelische Erkenntniß an den Tag legen und daß sie ihren Glauben, selbst verlassen von aller persönlichen Unterstützung und Leitung durch europäische Christen, nicht nur bewahrt, sondern sogar in ihrer Umgebung noch wirksam geltend gemacht haben. Daß diese in nur geringer oder doch sehr wenig regelmäßiger Verbindung mit deutschen und englischen Christen stehenden, der Hauptsache nach vielmehr auf sich selbst angewiesenen jüdischen Proselyten sich fähig beweisen, eine treu zusammenhaltcnde Gemeinde zu bilden, und dieselbe einen Eindruck auf Juden und eingeborene Christen ihres Landes hervorbringt, welcher ihren Kreis fortwährend wachsen läßt, verdient wohl Beachtung und berechtigt zu guten Hoffnungen für die Zukunft. Das Wort vom Sauerteige hat hier durchaus seine Stelle. Es ist nicht zu kühn oder phantastisch, wenn wir meinen, daß an dieser Stelle ein Licht zu scheinen beginnt, welches den schlummernden coptischen Christen, den Juden und auch den Muhamedanern jener Gegenden noch einmal den Gegensatz von Tag und Nacht lebendig vor Augen stellen könnte. Abysfinien ist durch seine Lage ganz dazu angethan, nach Nord und Süd und West ein Ausgangsort für weitere Unternehmungen des Reiches Gottes zu werden. Und wir sind allerdings der Ueberzeugung, daß hier eine Pflanzschule von Zeugen des Evangeliums gepflanzt zu werden beginnt, aus welcher noch wichtige Bewegungen für den Osten Afrikas hervorgehn können. Mit um so größerer Freude begrüßen wir es, daß die Londoner Gesellschaft für Israel Abyssinien nicht aufgegeben hat, sondern nur auf den Zeitpunkt wartet, wo sich ihr dort wieder der Zugang öffnet. Die politischen Bewegungen in jenem fernen Lande, auch die jüngsten Absichten Aegyptens auf dasselbe haben für uns daher ein ungewöhnliches Interesse. Wir gedenken deshalb die Aufmerksamkeit unserer Leser auch ferner auf diesen Punkt zu richten und blicken selbst auf das Land mit dem Gebete: „Dein Reich komme".