Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 7-8 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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113 Dachkammern herbeigeholt. Das Beispiel wirkte Nachahmung. Mehr Gaben zu diesem Zwecke kamen ein, und bald wurde an verschiedenen Orten über 1300 der ärmsten Kinder ein Genuß für Leib und Seele bereitet. Nicht nur wurde leibliche Nahrung dargereicht, sondern auch die Seele, durch Gesang, durch Erzählungen aus Gottes Wort und Veranschaulichung in Bild und Leben gehoben und erfreut, und dem einzelnen Kinde durch Wort und Blick Aufmerksamkeit und Liebe zu Theil. Unter den Gästen fanden sich Kinder ein von 6—14 Jahren, aber auch etliche, die noch jünger waren, 2 noch nicht 4 Jahre alt, kranke und gesunde, auch an Krüppeln fehlte eS nicht. Durch diese und ähnliche Zusammenkünfte wurde auch der Verkehr mit den Eltern und den andern Geschwistern angebahnt. Oft sah man größere Kinder ihre kleineren Geschwister mitbringen und flehentlich bitten, man möchte diese auch zulassen, oder umgekehrt, kleinere baten, daß auch ihre größeren Brüder und Schwestern an ihrer Freude theil« nehmen dürften. Bald richtete Miß M. ihr Augenmerk auch auf die größeren Knaben, welche auf den Straßen Londons zu Hunderten umherlaufen und von Straßenkehren, Schuhputzen u. dergl., mehr aber noch von Taschendieberei und jeder Art von Betrug leben. Es entbrannte ihr Herz oft in barmherziger Liebe zu diesen zuchtlosen wilden Buben, die sich nicht umsonst den Beinamen „der wilden Araber" verdient haben. Sie hatte das tiefste Mitgefühl für sie, da dieselben frühe schon ins Vagabundenleben versinken. Auf welche Weise Miß M. die Freundin und Gefährtin dieser unzähmbaren Horde und zugleich ihre Wohlthäterin geworden ist, möchten wir sie selbst erzählen lassen: „Meine Gänge zu den Armen führten mich oft durch die belebtesten und übelberüchtigsten Stadttheile. In einer der lebhaftesten Straßen hatte sich eine ganze Gruppe Schuhputzer mit ihren Geräthen niedergelassen. Wenn ich an ihnen vorüberging, konnte ich nicht umhin, dem Einen oder Andem fteundlich zuzuwinken, ein ander Mal getraute ich mir schon ihnen einen „guten Morgen" zu bieten, der dann und wann erwiedert wurde. Nach und nach wurden wir bekannt, ich redete sie zuweilen an, und wir standen in ganz unge-