Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 5-6 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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81 hätte, dem stillen Jünger Jesu Christi das Leben unmöglich zu machen. Nicht nur, daß man ihn über Tisch und sonst mit den gemeinsten und frivolsten Spöttereien quälte, nein, es kam manchmal sogar zu Thätlichkeiten, so daß man ihm, wenn er über Deck ging, ein Bein stellte, und ihn zum Fallen brachte. Gobat ertrug das mit stiller Geduld, aber diese seine Sanftmuth schürte nur, wie es schien, das unheimliche Feuer. Da entstand eines Tages ein so furchtbarer Sturm und das Schiff erlitt solche Beschädigungen, daß der Capitän den Passagieren bald rundweg erklärte, an Rettung sei nicht mehr zu denken. Nun waren aber der Jammer und die Verzweiflung groß; Wüthen, Heulen, Toben, Wehklagen, Zähneknirschen, Beten, Gott verfluchen, Schreien, Zittern — Alles durcheinander. Die Muhamedaner schrieen zu Allah, die Katholiken riefen Maria, Nepomuk und alle Heiligen an, und doch betete eigentlich Keiner als Gobat, weil Keiner einen Gott hatte, dem er wirklich nahe stand, als Gobat. Dieser hatte sich an einen Mast festgebunden und stand stilllächelnd da, den Frieden Gottes auf seinem Angesicht. Er hatte die heilige Schrift in der Hand und erquickte und erhob seine Seele durch die Worte des 46. Psalms. Er wußte: wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn! — Wider alles Vermuthen legte sich der Sturm, und das Schiff mit Allen, die darauf waren, wurde erhalten. Als am Morgen nach diesem Ereigniß Gobat in die Cajüte trat, um nach seiner Gewohnheit mit den anderen Passagieren zu frühstücken, erhoben sich Alle, und ein römischer Priester, der bisher mit einer wahrhaft satanischen Erfindungskraft immer neue Jntriguen gegen Gobat ausgesonnen hatte, trat vor. Der Evangelist wappnete sich innerlich, denn er dachte nicht anders, als, man wolle einen neuen Streich gegen ihn ausführen. Allein die Scene hatte sich verändert. In der demüthigsten und aufrichtigsten Weise bat der Priester, beauftragt von den anderen Schiffsgenossen, Gobat um Verzeihung. Er sagte unter Anderem: „Ihre himmlische Ruhe, die Sie gestern mitten im Todesrachen bewiesen, während wir verzweifelten, hat uns ebenso frappirt, wie Ihre Geduld und Sanftmuth bei unserem beißenden Spott. O sagen Sie uns, wir bitten 6