Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 5-6 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 und auch jetzt noch, wenigstens theoretisch, gehört, hängt mehr von der Gesinnung der Bürger als von der obrigkeitlichen Gewalt ab. (Jeder, der sich längere Zeit in Amerika aufgehalten hat und einigermaßen im Lande herumgereist ist, wird freilich die Beobachtung gemacht haben, daß das Sabbathsgebot in Ortschaften, welche vorwiegend von Amerikanern und Engländern bewohnt sind, eher ausgeübt wird, als in Ortschaften, wo die Bevölkerung vorwiegend deutsch ist. Schon in größeren Städten läßt sich dieser Unterschied wahrnehmen, am allermeisten aber auf dem Lande.) Unter solchen Umständen ist cs kein Wunder, daß die Kirche nirgends so wenig in der Gestalt einer allgemeinen und einigen christlichen Kirche auftritt als hier. Nirgends hat man so viel Freiheit, seine speciellen religiösen Ansichten zur Geltung zu bringen und Andere von deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit zu überzeugen, als in Amerika. Dazu kommt der Umstand in Betracht, daß die Bevölkerung ja nicht aus einer einzelnen Völkerschaft besteht, sondern aus einem Gewirr von Völkern von den verschiedensten politischen und religiösen Ansichten. Und diese Alle leben neben- und durcheinander, oft im politischen Frieden, aber immer im religiösen Streit. Es giebt zwar in den größeren Städten Gebetssäle, wo sich Leute verschiedener christlicher Denominationen zum Gebete vereinigen; allein diese Gebetsstunden sind eigentlich von Laien ins Leben gerufen worden und werden auch meistens nur von Nichtgeistlichen besucht. Daß dieses Verhältniß an und für sich der Judenmission rricht günstig sein kann, leuchtet wohl ein. Jeder einzelnen kirchlichen Gemeinschaft als solcher fehlen die Mittel und Kräfte, unter dem Alten-Bundesvolk zu missioniren, und gemeinschaftlich können und wollen sie es nicht thun. Das weiß ich aus Erfahrung. Vor etwa 4 Jahren wurde in Chicago der Versuch gemacht, Christen, welche verschiedenen evangelischen Confesstonen angehören, zu diesem heiligen Werke zu vereinigen. Es verbanden sich nämlich mehrere Brüder aus Israel, die an ihrem eigenen Herzen die Gnade des Herrn erfahren hatten und selber verschiedenen Kirchen angehörten, zu dem Zwecke, ihren Stammesgenossen die frohe Botschaft von . der seligmachenden Gnade Gottes in Christo Jesu zu bringen. Im Anfänge fanden sie auch