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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 5-6 (1873) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
5-6 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66 Gedenket an Jerusalem! laßt euch Jerusalem im Herzen sein! Das, theuere Festgenossen, ist die Mahnung, die Bitte, die diese Festfeier, die der Jerusalems-Verein, der sie veranstaltet, immer wieder uns in das Herz rufen will. Bedarfs denn solcher Mahnung und Bitte? Jerusalem — ist das nicht auch ohne dies ein Wort von wunderbarem Klange für ein christlich Ohr und Herz? Sind es nicht wunderbare Bilder, die es vor unser Auge stellt? Liegt nicht die wunderbarste Geschichte — ja wir dürfen sagen, die Weltgeschichte in ihm beschlossen? Wie wunderbar jene Geschichte auf den ersten Blättern des heiligen Bibelbuches, als es zuerst genannt wird: Da Melchisedek, der König von Salem, — ein König der Gerechtigkeit aus der Friedensstadt — Abraham segnend begegnet mit Brot und Wein und Huldigungsgaben empfängt von Abraham, dem Vater der Gläubigen! Und als es zum letzten Male genannt wird, schier auf dem letzten Blatte des heiligen Buches; wie viel wunderbarer nach St. Johanni's Weissagung: Und ich, Johannes, sähe die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne und hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und er selber, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein! Und zwischen diesen beiden — welch großartige, ergreifende Bilder! Jerusalem, die Gottesstadt, die Davidsstadt, wo der Herr herrscht mit gewaltigem Arme durch den König nach seinem Herzen; Jerusalem, die Salomosstadt, wo er im Nationalheiligthume Israels die Friedensstätte gestiftet hat, seines Namens Gedächtniß; Jerusalem, die Stadt des Heils, da sie zusammenkommen, die Stämme Israels, auf seinen Pfaden tausendstimmig erklingend die Lieder im höheren Chor — und Jerusalem, die Stätte des Gerichtes, die Stadt der Trümmer, auf denen Jeremias weinend seine Klagelieder singt und aus denen er dennoch die Friedensfahne hebt mit der goldenen Inschrift: So ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen, spricht euer Gott! Und wieder Jerusalem — aus Asche und Trümmern erstanden zur Herrlichkeit

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