Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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■ 43 Erscheinung, als treuer Spiegel einer reinen Seele, seine sittliche Größe, seine eindringliche Lehrweise — in kurzen Sprüchen oder in langen, ausgeführten Parabeln, welche das Erhabenste in schlichter, der Menge zugänglicher Form darstellten — alle diese Umstände mögen einen mächtigen Eindruck hervorgebracht haben. Allein um eine nachhaltige Begeisterung in dumpfen und stumpfsinnigen Volksklassen zu erwecken, um bei ihnen unbedingten Glauben zu finden, um von ihnen als ein außergewöhnliches Wesen verehrt zu werden, dazu bedurfte es wohl eines außerordentlichen, die Einbildungskraft der Massen gefangennehmenden Vorganges. Nun sind die christlichen Quellennachrichten voll von Erzählungen unter den mannigfaltigsten Wendungen und Einkleidungen: Jesus habe Wunderheilungen zu Stande gebracht. Wenn auch vieles von diesen Erzählungen auf Rechnung der übertreibenden Sage, des vergrößernden Verherrlichungstriebes und namentlich des nachbildenden Mythus zu setzen ist, so muß doch ein Kern darin geschichtlich sein. Wunderheilung, namentlich an Besessenen, gehörte so sehr zum Inbegriff der Jesu zugeschriebenen Wirksamkeit, daß seine Nachfolger sich dieser Kraft mehr rühmten, als eines besonders heiligen Lebenswandels (!!). Die Würdigkeit eines Jesu-Jüngers wurde später daran erkannt, ob er böse Geister zu vertreiben, Krankheiten durch Beschwörungen im Namen Jesu zu heilen vermöge (!!). Wenn man den Quellenschriften glauben sollte, so bewunderte die Menge mehr Jesu Macht über die Dämonen und den Satan, als seine sittliche Größe. War die Heikunde im jüdischen Volke damals so sehr in der Kindheit, daß jeder Heilkünstler als ein höheres Wesen angestaunt wurde? Oder waren jene Krankheiten, die er geheilt haben soll, seelischer Art, auf der Einbildungskraft beruhend, und konnte es daher einem Seelenarzte gelingen, sie vermöge der Einwirkungen auf die Phantasie zu entwurzeln? Oder vermag die gesammelte, auf ein kräftiges Wollen concentrirte Seele einer sittlich reinen Persönlichkeit auch in das organische Getriebe des Menschen einzugreifen und die Ursache der Krankheit auf seelischem Wege zu heben? Wie man sich auch diesen Vorgang erklären mag, gewiß ist es, daß ein Fall oder mehrere vorgekommen sein müssen — die Zahl ist dabei gleichgültig — daß