Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 11-12 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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IM Erst als das Chriflenthum die Selbstentfremdung des Menschen von sich und der Natur theoretisch vollendet hatte, konnte das Jüdenthum zur allgemeinen Herrschaft gelangen und den entäußerten Menschen, die entäußerte Natur zur veräußerlichen, verkäuflichen, der Knechtschaft des egoistischen Bedürfnisses, dem Schacher anheimgefallenen Gegenständen machen. Der christliche Seligkeitscgoismus schlägt in seiner vollendeten Praxis nothwendig um in den Leibesegoismus des Juden, das himmlische Bedürfniß in das irdische, der Subjektivismus in den Eigennutz. Wir erklären die Zähigkeit des Juden nicht aus seiner Religion, sondern vielmehr aus dem menschlichen Grunde seiner Religion, dem praktischen Bedürfniß, dem Egoismus. Sobald es der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judenthums, den Schacher und seine Voraussetzungen äufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden, weil sein Bewußtsein keinen Gegenstand mehr hat, weil der Conflikt der individuell-sinnlichen Existenz mit der Gattungseristenz des Menschen aufgehoben ist." Karl Marr hat jedesfalls manche Blicke in das Wesen des nachchristlichen Judenthums gethan. Während er selbst den sadbucäischen Egoismus erwählt hat, welcher außer dem lieben Ich auf Erden nichts kennt, daher auch keinen Gvtt, erkennt er ganz wohl, daß die Verwerfung Christi von Seiten der Juden jenen praktischen Grund hat, den wir mit dem Namen „des Pharisäismus" nach seiner Erscheinung in den Tagen Christi zu benennen pflegen. Dieser letztere Egoismus ist seinem Wesen nach dem anderen gleich, unterscheidet sich aber von ihm dadurch, daß er sich den göttlich heiligen Mantel Umhängt und gerade dazu einen Gott braucht, um auch vor diesem noch sein Ich herrlich zu machen. Im Pharisäismus erreicht daher der Egoismus seine höchste Höhe; die oberste Staffel desselben aber, wo er sich mit dem Sadducäismus wieder verbindet, ist die, daß der Mensch nicht mehr vor Gott stehen bleibt, um vor ihm seine Herrlichkeit darzulegen, sondern daß er Gott selbst vom Throne verdrängt, um sich statt seiner auf denselben zu setzen. Der Pharisäismus itt seiner gewöhnlichen Erscheinung dagegen erhält