Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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14$ Die Juden, unsre Brüder, wenden ihr Angesicht von ihm weg und achten ihn nicht; — denn ihre Fürsten und Weisen in den Tagen des' zweiten Tempels haben ihn in ihrem hohen Rache verurtheilt, und die Weisen des Talmuds stimmen mit diesem Urtheile überein, und behaupten, er sei ein falscher Messias gewesen. — Aber wie soll ich mich auf Leute verlassen, die das Wort des lebendigen Gottes so oft verdreht haben vom Anfänge des Gesetzes bis zu feinem Ende? — Oder bedarf diese meine Behauptung erst des Beweises? Ich will ihn liefern, — urtheilen Sie selbst! Welcher von den Weisen des Talmuds ist größer, frömmiger und heiliger gewesen als Rabbi Akiba? Er ist das Haupt der Mifchna und das Fundament der Halacha! Und gerade er hat in seinen Tagen das Volk der Juden aufgemuntert an einen falschen Messias zu glauben, nämlich an den Bar Cochba, den der Volksmund mit Recht Bar Chasiba, d. h. den Sohn der Lüge Nannte. — Denn er nahm ein trauriges Ende, — tausende von Juden wurden sammt ihm hingeschlachtet, und durch den von ihm gestifteten Aufruhr sind ungeheure Leiden und Trübsale über das gestimmte Land und Volk Israels gekommen, wie zur Zeit der Zerstörung des Tempels. — Nun schließe ich aber also: Wenn der gepriesene Weise Rabbi Akiba sich irren konnte und das Antlitz eines Betrügers für das Antlitz des Messias anfah, so ist doch wohl die Möglichkeit vorhanden, daß auch die Weisen Israels vor ihm sich irren und den wahren Messias für einen falschen halten konnten; — und aus diesem Grunde wiederhole ich meine Frage: was dünkt Ihnen von Jesus aus Nazareth? Sagen Sie es frei heraus und zwar im Hinblick auf Moses und die Propheten! — Möglich, daß diese Frage, die fteilich schon eine alte ist, Ihnen lästig erscheint und Ihnen zum Aergerniß gereicht, — vielleicht finden Sie es nicht einmal der Mühe werth darauf zu antworten, — oder beliebt es Ihnen wohl gar die Frage zu wenden und mir zuzurufen: „Was für einen Beweis gibt es denn,- um mich und meine Glaubensgenossen zu überzeugen, daß der-Jesus, an welchendie Christen glauben, der wahre König Israels UNd sein EüHn gewesen ist?- Hat er doch nie das Volk Israel" erlöst -^