Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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148 halten lassen und fest dabei bleiben. Dadurch lernen sie sich auch etwas versagen, was sehr noch thut MS Leben. „Fragt aber, liebe Eltern, eure Großeltern, ob nicht ein anderer Geist als der des heutigen zuchtlosen Ungehorsams in den Kindern war, als noch der Morgen- und Abendsegen mit Weib, Kind und Gesinde in den Familien gebetet wurde, wo der Vater des Sonntags zweimal in die Kirche ging mit Weib und Kind, und die Kinder dem Vater ehrfurchtsvoll auf seine Fragen aus der Predigt und dem Katechismus antworteten! ' So sprach Mutter Jolberg zu den Müttern und Eltern; und ihr eigenes Leben unterstützte ihre Worte. Der Eindruck ihres ganzen Schaltens und Waltens bewies sich am mächtigsten an den Lehrerinnen. Eine derselben schrieb aus der Anstalt an die Ihrigen: „Was hier gelehrt wird, was ich höre, das ist mir oft noch ganz ftemd, aber das Thun, wie ich es in diesem Hause finde, das zieht mich an." Es war natürlich; denn der Grundsatz, mit dem sie allen entgegenkam, war „die Menschen herauszuglauben und sich in sie hineinzulieben." Eben deßhalb konnte sie es auch dann den Schwestern ans Herz legen: „in jedem Kinde ein Kind Gottes zu glauben." Die sich selbst vergessende Liebe war ihr Lebenselement; sie konnte beim Anblick eines Frierenden das Tuch vom Halse, ja den Rock vom Leibe hergeben. Dabei war sie trotz aller Gewissenhaftigkeit im Kleinen fern von allem ängstlichen Sorgen und Rechnen; großartig war sie angelegt, und großartig im Glauben, Lieben und Hoffen immer mehr durch Christi Geist geworden. Für sich selbst hatte sie wenig Bedürfnisse, und eö kostete immer viel Ueberredung, bis sie für sich etwas Nöthiges anschaffte; oder wenn es endlich da -war, hatte das noch wohlerhaltene Alte schon seine Bestimmung geftmden. Dazu übte sie an sich selbst die ernsteste Zucht. Sie wurde sehr ungern in ihrer Morgenandacht gestört. Eines Morgens kam während derselben eine arme Frau und bat um eine Matratze für ihren Kranken im Hause. Frau Jolberg wurde unwillig und lehnte das Gesuch ab. Am Abend, als die Schwestern zur Andacht zusammenttaten, stand sie ganz gebeugt, wie unter einer großen Schuld