Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 5-6 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554797-2554801--05781-2561748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
95 Juden in Persien. Von den Ufern deS Tigris bis zu denen des caspischen Meeres wohnen, in mehr als hundert Dörfern zerstreut, 50—60,000 Juden; also in denselben Gegenden, in welche ihre Vorfahren einst von den Affyrern und Babyloniern in die Gefangenschaft geschleppt wurden. Sie leben unter hartem Druck und in tiefster Verkommenheit. Namentlich ist der ganze Zustand und die Unwissenheit ihrer Frauen beklagenswerth. Zwar sollen sie ebenso wie die Christen gesetzlich volle Duldung genießen, allein es herrscht solche Willkür, daß sie fast überall große Bedrängniß, nicht selten wirkliche Verfolgung zu erleiden haben. Vor 8 bis 9 Jahren fand z B. unter den Juden in Barfrusch am Caspischen Meere ein fürchterliches Blutbad durch die Perser statt; Viele wurden unter grausamen Qualen zu Tode gemartert; tränkte man doch die Kleider von Etlichen in Naphtha ein und verbrannte sie dann in den Straßen. Durch die Verwendung des englischen Gesandten hörte endlich diese furchtbare Verfolgung auf, und England gilt ihnen seitdem als ihr besonderer Beschützer. Sir Montefiore, ihr englischer Glaubensgenosse, hat in diesem Falle sich für sie ernstlich verwandt, und ebenso auch zu ihrer Unterstützung in der immer noch nicht ganz überwundenen Hungersnoth, welche Persien seit letzter Zeit heimsucht, die Liebesgaben ihrer Glaubensgenossen in der ganzen Welt gesammelt. Sociales. Die sociale Lage der Juden in Deutschland ist bekanntlich eine weit bessere als die der übrigen Bewohner des Landes. Wie es hierin steht, mag das Beispiel einer Stadt, Gnesen in der Provinz Posen, zeigen. Gnesen zählte 1871 überhaupt 9917 Einwohner, darunter 2898 Evangelische, 5585 Katholiken und 1434 Juden.