Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Die furchtbare Hungersnoth in den westlichen Provinzen Rußlands hat jüngst tausende von russischen Juden zur Auswanderung, besonders nach Deutschland und Amerika getrieben. Von diesen Auswanderern kommen Viele nach meiner sicheren Kenntniß der Sache mit Juden-Missionaren in Berührung; und wenn sie an ihre armen Brüder in der Heimath schreiben, was sie gesehn und gehört haben, so werden die letzteren, wenn auch nicht von dem vollen Klange des Evangeliums, doch auf jeden Fall von einem schwachen Wiederhall desselben erreicht; und die späteren Missionare, wenn es uns nämlich noch in unserer Zeit gestattet würde, solche über ganz Rußland sich verbreiten zu sehn, werden die Frucht hiervon ernten. Ein anderes Mittel der Vorbereitung erkenne ich in dem neuen Ukas, welcher es den Juden in Polen verbietet, ihre eigenthümlichen Seitenlocken und eine andere Tracht, als die in der christlichen Bevölkerung übliche zu tragen. Das ist anscheinend ein nur geringes, weil ein äußerliches Ding, und doch von höchster Wichtigkeit, vom Missionsstandpunkte aus angesehn, und gewöhnlich von heilsamem Einfluß, wie eö auch die besten und bedeutendsten Juden in allen Ländern bereitwillig anerkennen. Denn mit der Abschaffung der unterscheidenden jüdischen Tracht ist die Axt an die Wurzel jener elenden Sklaverei gelegt, in welcher die Rabbinen bis jetzt die große Masse der jüdischen Bevölkerung in Polen erhalten haben; der ungeschickte jüdische Rock, welcher nicht einmal jüdischen Ursprungs ist, sondern einfach die altpolnische Tracht, ist bisher eins der hauptsächlichsten Hindernisse in den Wegen mancher Juden gewesen, die nach Wissen dürsteten und dasselbe in christlichen Einrichtungen suchten. Alles das wird sich bald ändern, und obgleich der bloße Erwerb von Wissen, oder selbst von Cultur, durchaus nicht identisch ist mit dem: ein Christ zu werden, so wird doch eine ganze Welt von Vorurtheilen gegen das Christenthum in der Folge mit aus dem Wege geräumt, und so wird der künftige Missionar den Boden für die Einpflanzung des Evangeliums um Vieles geebneter finden.