Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 11-12 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554796--05666-2561630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
180 Reiseeindrücke. Ein in England lebender Proselyt hat jüngst eine Reise auf dem Continent von Europa gemacht, welche ihm die Verschiedenheit des jetzigen Judenthums je nach der verschiedenen Entwickelung der bereisten Länder in der lebhaftesten Weise vor Augen geführt har. Er hat sich über die von ihm gesammelten Erfahrungen im Septemberheft der Zeitschrift „Scattered Nation" ausgesprochen, und seine Bemerkungen werden um so eher Beachtung verdienen, als sie einerseits von einem Proselyten stammen, andererseits es aber bestätigen, daß auch der frische Eindruck eines von Fernhergekommenen auf denselben Wahrnehmungen beruht, welche für die am Orte selbst Eingesessenen die Resultate ihres längeren Miterlebens sind. Deshalb theilen wir auch den kurzen Bericht jenes Mannes besonders gern mit: „Man kann den Continent von Europa nicht zweimal innerhalb 12 Monaten besuchen, wie es mir vergönnt war, ohne manchen Thatsachen zu begegnen, die von tiefstem Interesse für jeden Missionsfreund sind, und ich ergreife mit Freuden die Gelegenheit den Lesern dieser Zeitschrift einen kurzen Bericht von dem, was ich gesehn habe, vorzulegen. Meine erste Reise durch Deutschland und Frankreich geschah in sehr unruhiger Zeit; der Krieg wüthete auf beiden Seiten; die hauptsächlichsten Ereignisse des Tages enthielten wenig, wovon ein Christ sich ermuthigt fühlen konnte; und doch wurde zur Rettung mancher Seele zur selben Zeit viele gesegnete Arbeit gethan. Die Vertheilung des göttlichen Wortes sowohl unter Deutschen als unter Franzosen verursachte viele Mühe, geschah manchmal selbst nicht ohne Gefahr, belohnte aber zu gleicher Zeit auch reichlich. Ich habe hier nicht von meinen mannigfaltigen Erfahrungen unter allen Klassen von Katholiken und Protestanten zu sprechen, dagegen aber möchte ich es wohl erwähnen, daß die ziemlich zahlreichen jüdischen Soldaten, mit de-