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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 11-12 (1871) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
11-12 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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163 für Mädchen zu Breslau als Lehrer eintrat. Freilich erfreute er sich hei seinem tadellosen und sittenreinen Leben der allgemeinsten Liebe und Achtung unter seinen Glaubensgenossen, aber sein Inneres blieb von der Hohlheit und den Phrasen und der Selbstberäucherung des Reformjudenthums ebenso unbefriedigt, wie einst von dem todten Buchstabendienst der talmudischen Menschensatzung. In solcher Stimmung kam er durch Gottes Fügung mit Missionaren in Berührung, die ihn zu dem Missionsprediger Cers, von der freien schottischen Kirche ausgeschickt, brachten. Allerdings widersprach er erst mit Heftigkeit den Behauptungen dieses Mannes, aber allmählig konnte sein aufrichtig nach Wahrheit suchendes Gemüth der Ueberzeugung sich nicht verschließen, daß die Messiasverheißungen des Alten Testamentes in dem von seinen Vätern, seinem Volk und von ihm selbst verworfenen Jesus erfüllt seien, daß dieser sein und seines Volkes ewiger Priester und König sei. Aber hatte auch seine Erkenntniß sich gebeugt, sein innerstes Herz war doch noch nicht an seinen Herrn hingegeben, war noch nicht aufgethaut unter dem schmelzenden Sonnenstrahl seines die Sünder liebenden Erbarmens und hatte noch nicht mit Petrus sprechen gelernt: „Herr, wohin sollen wir gehen, du allein hast Worte des ewigen Lebens", außer dir ist nur Tod und Verwesung. Aber den Aufrichtigen läßt Gott es gelingen, und wer da hat und das treu hält und bewahrt, was er hat, dem wird gegeben werden, daß er die Fülle habe. Das bewährte sich auch hier. Im Umgang und in der andauernden persönlichen Unterweisung eines höheren evangelischen Geistlichen, der Wilde und Freundlichkeit mit christlichem Ernst zu verbinden wußte, fing auch das Herz an aufzuthauen, sowie vorher schon sein Verstand sich hei ihm vor der Wahrheit gebeugt hatte; und als jener Mann einst im Gebete mit ihm auf den Knieen lag und so recht brünstig um den Geist von oben flehte, da fühlte sich das Herz ergriffen von der Liebe Gottes in Christo Jesu, und von da an wußte er Ihm sich verbunden bis zu der Stunde, wo das Haupt sein Glied in die ewige Herrlichkeit nach sich zog. Nie, auch nicht einen Augenblick hat er es je bereut, seinem ewigen Meister sich ergeben zu haben. Sein

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