Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 5-6 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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6b keine andere ist, nämlich die Gabe eines demüthigen und gewinnenden Lockens. Leonhard Dober. Es ist sicher eine eigenthümliche Erscheinung, daß gerade der Mann, welcher neben Zinzendorf zuerst den Gedanken an die Heidenmission in der Brüdergemeinde zum Leben erweckt hat, daselbst auch als der Erste für die Judenmission thätig gewesen ist, wir meinen den oben genannten I. L. Dober. Leonhard Dober, 1706 zu Münchsroth in Schwaben geboren, nahm zuerst einen sehr einfachen Lebensgang. Sein Vater war nämlich ein Töpfer und der Sohn folgte demselben in diesem Handwerk. Im Jahre 1723 aber kam er, durch seinen Bruder Martin dahin gerufen, nach Herrnhut und trat nunmehr ganz in den Dienst dieser Gemeinde. Da erwähnte im Jahre 1731 ein Mohr, der sich in Herrnhut aufhielt, daß er auf der Insel St. Thomas eine leibliche Schwester zurückgelassen habe, die sich gern bekehren würde, wenn sich nur Leute finden möchten, die zu den Negern gingen, um sie im Christenthum zu unterrichten; freilich aber müßten diese denselben, die ja damals Sklaven waren, dann auch gleichsam Sklaven werden. L. Dober ging das zu Herzen; er konnte die Worte des Negers nicht vergessen, und brachte die ganze darauf folgende Nacht schlaflos zu, weil ihm der Gedanke nicht aus dem Sinne wollte, daß er dieser Schwester und ihren heidnischen Volksgenossen das Evangelium verkünden müsse. Am nächsten Morgen fand er in den Losungen der Brüdergemeinde den Spruch: „Es ist nicht ein vergebliches Wort an euch, sondern es ist euer Leben und das Wort wird euer Leben verlängern (5 Mos. 32, 17); und dazu den Liedervers: Denn wahrlich bleibt's dabei, daß der wahrhaftige Zeuge heißt Amen mit dem Namen, und die Verheißung nur in Jesu Namen sei Ja. Amen, treuer Zeug', ja, Jesu! Amen, Amen!" Diese Worte bestärkten ihn in seinem Vorhaben; doch behielt er dasselbe einstweilen noch geheim. Nach einiger Zeit jedoch vertraute er seinem Freunde Tobias Leupold seine Gedanken, und merkwürdig, auch dieser hatte jene Aeußerungen des Negers gleichzeitig mit Dober gehört und ebenfalls seitdem den nämlichen Wunsch