Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 3-4 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554789-2554792--05543-2561503- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 Deß Züge schon das Alterthum gemerket. Und drinn sich alle Gläubigen gestärket. Sie sahen auch die unerhörten Thaten, Die Seiner Hand zu Heil und Sieg gerathen; Die Wunder, die sie selber überwogen, Und oft vor seiner Majestät gebogen. Doch weil er keinen Erdenschimmer zeigte, Und seine Lehre nur die Seele beugte, Und Demuth, Friede, Sanftmuth, freie Gnade Bezeichneten des Meisters.seine Pfade: So haben sie ihn bitterlich verschmähet, Sein Gotteözeugniß lügenhaft verdrehet. Von Mördern ward der Heil'ge hingenommen; Sie ruhten nicht, bis er an's Kreuz gekommen. Sein Blut, das Lösegeld für arme Sünder, Das riefen sie herab auf ihre Kinder; DaS drückt, das preßt sie, das hat sie geschlagen, Wie man gesehn seit so' viel tausend Tagen; Der Fluch verfolgt sie nun auf allen Seiien, Von aus und innen,~ wie von nah und weiten. Und ach, noch immer ist ihr Herz erstarret, Und ihre Hoffnung ist noch nicht erharret. Sie fehn's, sie fühlen's; aber Mosis Decke Hängt dunkel immer noch am alten Flecke; Und darum will ihr Friede nicht erscheinen, Und ihre Freunde können's nicht erweinen. Wann großer Jude,*) wann kommt deine Stunde? Wann sieht das Volk hinein in deine Wunde, Um sich an dessen Blute zu erlaben, Den ihre Väter einst durchstochen haben? Wenn diese auserwählte Stunde käme, Und ihre Schuppen von den Augen nähme, *) Prof. Delitsch. Wen die Bezeichnung des Herrn „großer Jude" verletzt, der sage dafür „Löw' aus Juda."