Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 ergießt. Man steht leicht, welche große Wichtigkeit diese Unterweisung in den Augen des Apostels hat, so denn billig auch in den unsernr Kein Brief ist für uns von solcher Bedeutung wie der Römerbrief. ES ist der einzige, der an eine Gemeinde deS Abendlandes geschrieben ist; er ist gerichtet an die Gemeinde der Welthauptstadt, welche die Mutter der meisten Kirchen deS Abendlandes wurde. Er ist für uns geschrieben wie kein anderer. Auch ist es nicht zufällig, daß die Reformation grade an ihn anknüpfte; Luthers ganze Lehre und Werk ist ein Kommentar zu diesem Brief. Wie ein Vermächtniß, das der Apostel uns Christen aus den Heiden hinterlassen wollte, haben wir diese Belehrung anzusehen. Es ist, als habe eS der heilige Geist vorausgesehen und warnen wollen vor der falschen Jdentificirung der heidenchriftlichen Kirche mit Israel, welche so frühzeitig Platz griff, die Anschauung der römischen Kirche und ihre Anticipation der Zukunft beherrscht, und auch in unserer Kirche einheimisch wurde. Eine Ermahnung zur Demuth, eine Warnung vor Gedanken eigener Klugheit und vor Verkennung der Zukunft Israels ist diese Stelle. Aber ist hier wirklich von der Zukunft Israels die Rede? Eine lutherische Synode Nordamerikas hat auf dieses Verständniß dieses Abschnittes den Bann gesetzt, und bei unS hat es z. B. Diedrich wenigstens bestritten und in den Geruch chiliastischer Ketzerei zu bringen gesucht. „Die Frage ist: Ist hier vom Volk Israel, von Israel nach dem Fleische die Rede, oder von der Christenheit, welche im übertragenen Sinn Israel genannt wird? Ferner; Ist demnach eine Bekehrung Israels, eine Bekehrung des ganzen Volks in Aussicht gestellt, welche stattfinden soll nach der Bekehrung der Heidenwelt? nach der Bekehrung der ganzen Heidenwelt oder nur eines Theils? Und hat diese Bekehrung des Volkes Israel Folgen für die Geschichte des Reiches Gottes? und welche? Wir vergegenwärtigen uns zuerst, welche Antworten man hierauf aus unsrer Stelle gegeben. I. Geschichte der Erklärung. Die alte Kirche hat unsre Stelle meistens so verstanden, wie ste lautet — nämlich von einer allgemeinen Judenbekehrung am Ende. Vielfach (z. B. Augustin) verband man damit den Glauben an die Wiederkunft des