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Dibre Emeth · 1871-01-01 · 1-2 (1871) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
27 (1871)
Issue
1-2 (1871)
Date
1871-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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lectuellen Klimas den erwärmenden Sinnengenuß und den dem Gemüthe Nahrung gebenden Wunderglauben. Daher hat der Chassidismus auch zuerst Cultusreformen eingeführt, Die Piutim (Geistliche Dichtungen) hat er früher als irgend eine deutsche Gemeinde aus seinem eigens geschaffenen Gebetbuche verbannt, die Zahl der Gebete bedeutend reducirt und, wenn die Andacht fehlt, ganz vom Gebete dispensirt, die Fasttage so ziemlich abgeschafft u. s. w. Ja, es giebt sogar eine Chassidimsecte, welche mit unseren Radicalreformern darin übereinstimmt, daß sie den Tag der Tempelzerstörung als einen Freudentag bei festlichen Gelagen begeht. Die Extreme berühren sich! Dafür gibt's freilich auch tiefsinnige, nach Befriedigung ringende Chassidim, welche die Ascetik bis zu Schneebädern gebracht haben und in der Selbstpeinigung sich berauschen. Im Ganzen und Großen aber ist der Chassidismus ein Sinnentaumel, der sich der talmudischen wie jeder andern Forschung entschlagen will, und darum ist er der intimste Freund des Despotismus, der ebenfalls den Sinnen schmeichelt, um den Geist von den Bahnen des Gedankens fernzuhalten/ So schreibt ein Neu-Orthodoxer. Zur Selbst-Prüfung führt eine solche Erscheinung auf ihrem eigenen Gebiete die Juden nicht; Reformer und Orthodoxe werfen nur Steine auf die Chassidim, als ob sie mit ihnen nichts zu thun hätten, und untersuchen nicht, wie Jene gerade von den Principien ihrer Mitbrüder aus zu dieser ihrer gegenwärtigen Consequenz gekommen sind. Denn das pharisäische Sichselbstgenügen, mit sich selbst Anfängen und bei sich selbst Endigen ist der eigenthümliche Grundzug alles Jüdischen, der Reform wie der Orthodoxie wie des Chassidismus. Die Katholiken übrigens mögen auch diese Erscheinung, welche sich besonders in dem Gebiete, das ihre Kirche einnimmt, zeigt, beherzigen; alle Stellvertreter des Messias endigen nun einmal darin, daß sie zuletzt von dem wahren Messias oder Christus nichts mehr übrig lassen, sondern statt deffelben sein furchtbares Gegentheil auf den Thron erheben.

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