Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 27 (1871)
- Issue
- 1-2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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_18 Jahr zu Jahr. Die sogenannte neuere Orthodoxie sucht freilich das Alte' möglichst zu erhalten, aber sie will eS in der Weise thun, daß sie Altes und Neues verbindet; deßhalb verliert sie unter den Händen ihre Orthodoxie und geht den Weg der Reform nur in etwas langsamerem Tempo. Das eben Gesagte gilt, von dem orthodoren Judenthum der Culturstaaten. In den mehr despotischen und in den orientalischen Ländern ebenso wie in denen, welche trotz constitutioneller Verfassungsformen ein unentwickelteres Volksleben zeigen, hat sich theilweise ein schärferer Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden erhalten; daselbst begegnen unS auch auf dem jüdischen Gebiete noch eigenartige Erscheinungen. Die talmudische Orthodoxie ist, wie vorhin bemerkt, in der neueren Zeit überall ins Gedränge gerathen, sie kann sich nirgends mehr halten, wo sie mit den Geistesmächten der Gegenwart in den Kampf geräth. Das haben nicht blos die Reformer in unserer Mitte gefühlt, sondern auch eine ziemliche Anzahl von Juden in'den östlichen Ländern Europas. Während aber unter unseren Reformern zu Folge der für sie bestehenden Verhältnisse das Streben herrscht, möglichst alle Schranken zwischen Juden und Nichtjuden zu beseitigen, wird die gerade entgegengesetzte Richtung, wiederum in Folge ihrer Verhältnisse, von Vielen der östlichen Juden eingeschlagen. Von allen Seiten eingeengt, suchen diese die Mauern zwischen sich und der übrigen Welt doppelt zu erhöhen. Das orthodoxe Judenthum in unserer Mitte hat sich noch auf einen Kampf, auf eine Ueberlegung mit Anderen, auf eine Disputation über die Fragen und Ansprüche des Alten Testamentes, auf eine Erwägung der Anforderungen Anderer, wenn gleich im geringsten Maße, eingelassen; so ist es auf die immer abschüssiger werdende Bahn der Reform gedrängt worden und geht rettungslos verloren. Deßhalb gilt nun unter einem Theile der Juden jener östlichen Länder, welche eben um jeden Preis Juden bleiben wollen, die Parole, daß man alle Brücken zwischen sich und den anderen abbrechen und sich ganz auf sich selbst beschränken müsse. Um dem, zu Hilfe zu kommen, hat man eine Theorie