Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 3-4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Isaaks, die der Machsor so gern als Aushängeschild benutzt, etwas Verdienstvolles gewesen? Hören wir doch, was die gerühmten, sittlichen Heroen des A. T. über sich selber zeugen! Tritt nicht ein Abraham mit dem dcmüthigen Bekenntnisse vor den Ewigen (Gen. 18, 27. 31.): „Siehe, ich habe mich unterwunden zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Staub und Asche bin?" Hätte Abraham ein Verdienst gehabt, das über das Maß seines sittlichen Sollens vor Gott hinausreichte, so konnte er dasselbe für Sodom und Gomorrha geltend machen. Und wie äußert sich Jakob, als er in jener bedeutungsvollen Nacht mit dem Herrn (Engel) rang (Gen. 32, 27): „Ich lasse dich nicht los, du segnest mich denn!" Sind diese Worte etwa ein Beweis für Jakobs Selbstgenügsamkeit und Verdienst? Sind sie nicht vielmehr der Ausdruck der Sehnsucht und des Verlangens nach der göttlichen Gnadenfülle? Ebenso spricht derselbe Erzvater, als er auf seinem Rückzuge nach der geliebten, nun schon so lange vermißten Heimath am Flusse Jabok steht und den Reichthum seiner Viehheerden mustert, daß er viel zu gering der Barmherzigkeit und Treue sei, die der Herr an ihm gethan habe. (Gen. 32,10). Nicht sein Verdienst ist es, davon ist der Patriarch tief durchdrungen, das ihn von einem armen Flüchtling aus dem väterlichen Hause in der Fremde zu einem reichen und begüterten Herrn gemacht, sondern Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Und von einer andern Seite beleuchtet, was ist es denn, daß dem Abraham zur Gerechtigkeit angerechnet wird? Nicht sein Verdienst, sondern sein Glaube an das göttliche Verheißungswort (Gen. 15, 6). Und wodurch hoffte denn der König David die Vergebung seiner Sünden und die Rechtfertigung vor Gott zu erlangen? Nicht durch sein Verdienst, auch nicht durch das Verdienst seiner Vorfahren, sondern allein durch die Gnade Gottes (Ps. 32,1—2). Wenn nun das A. T. durchaus nichts von dem Verdienste der alttestamentlichen Frommen weiß, und diese auch ihrerseits davon nichts wissen, vielmehr eingestehen, daß sie sündhafte Creaturen sind, mancher Fehltritte sich schuldig gemacht haben und auf die göttliche Gnade und Sündenvergebung harren, wie in aller Welt ist es möglich, daß nach mehr denn dreitausend Jahren die Nachkommen derselben in ihren Gebeten sich aus ihr Verdienst berufen, dasselbe vor Gott geltend machen