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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 11-12 (1869) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
11-12 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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192 auch schon der Talmud bestätigt, indem er sagt: Gott habe für Israel kein besseres Heilsmittel, als die Armuth; diese passe ihm so gut, wie ein rother Bandzügel auf ein weißes Pferd. — Mit schweren Herzen mußten wir aber den größten Theil der angemeldeten Israeliten zurückweisen. Dieselben sind verheirathete Männer, und stellten von vorne herein an uns die Frage: ob wir, wenn sie frei und offen ihr Vorhaben vor den Juden bekennen, und sie zufolge dessen von ihren früheren Freunden und Anverwandten verstoßen würden, sie dann mit Frau und Kindern während des Unterrichts auch leiblich unterstützen könnten, bis sie ein Gewerbe unter den Christen finden würden — was wir aber leider verneinen mußten, da unsere geringen materiellen Mittel solches nicht erlauben. Nur mit 5 jungen Leuten, welche ohne alle Ansprüche im Glauben und Vertrauen, daß der treue Gott auch sie beim fleißigen Arbeiten nicht verhungern lassen wird, kamen, konnte der Unterricht begonnen werden, von denen Einer, M.R., am 10./22.d.M. in Gegenwart christlicher Zeugen die Prüfung in der christlichen Heilslehre zu aller Zufriedenheit bestanden und ein offenes fröhliches Bekenntniß seiner Ucberzeugung bereits abgelegt hat. .Selbiger wird, wills Gott, wenn die erforderliche Genehmigung vom St. Petersburger Consistorium eintreffcn wird, die heilige Taufe empfangen. Mit diesem Manne hatte ich's leicht. Die erste Schwierigkeit, die hier zu Lande bei der Arbeit an Israel zu überwinden ist, nämlich die Verschiedenheit der Sprache (die meisten müssen gleichzeitig mit dem Religionsunterricht auch das Lesen und Schreiben der deutschen Sprache lernen), war bei Herrn R. gehoben, da derselbe aus Lemberg in Oesterreich stammt und eine deutsche Realschule daselbst besucht hatte. Auch waren die Vorurtheile gegen das Christenthum und die sophistischen Fragen, welche die meisten Israeliten charakterisiren, bei diesem Manne durch den Verkehr mit gläubigen Christen fast geschwunden. Auch der Rest der pharisäischen Gerechtigkeit, welcher sich anfangs oft zeigte, ließ sich durch Gottes gnädigen Beistand bald beseitigen, so daß die Stunden, welche ich mit diesem Manne mich beschäftigte, auch für mich selbst segensreich wurden und mir einen Ersatz boten für manche schwere und fruchtlose Stunde, die ich mit anderen Israeliten zubringen mußte, die viel mehrNeigung undLust zeigen, über wichtige Glaubensfragen stundenlang zu disputiren, als sich selbst die Eine Frage zu stellen: „was soll ich thun, daß ich selig werde?" — (Forts, folgt.) Dieses Blatt erscheint jährlich in 8 bis 10 Heften, zusammen 12—14 Bogen. Preis für den Jahrgang 10 Sgr. In Commission; Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.

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