Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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179 Halle aufhielt, machte ihn mit den Sprachen des Orients näher bekannt; und lediglich sein Herzensintereffe für das Heil der Juden war es, welches ihn zum Studium älterer und neuerer rabbinischer Schriften antrieh. Dem Werke der Judenmission heiligte er alle seine Kräfte. Schon Wagenseil (f 1705) hatte den Rath ertheilt, Studenten, welche mit der jüdisch-deutschen Sprache bekannt seien, unter den Juden umherzusenden. Diese Idee nahm Callenberg auf, welcher nunmehr das Callenberg'sche Institut zur Bekehrung der Juden und Muhamedaner gründete und es bis zu seinem Tode selbst dirigirte. Auch A. H. Franke nahm sich der Sache lebendig an, nachdem ihm der ehrwürdige Prälat Hochstätter bei einem Besuch gesagt hatte, daß er stets in seinem Gebete einen dreifachen Wunsch zu Gott emporgesandt habe: 1) eine neue Geistesausgießung über die deutsche Christenheit, 2) daß Arbeiter in das weite Heidengebiet gesendet werden möchten und 3) daß Jemand mit Erbarmen an den Weinberg Israel denke. Die zwei ersten seien erfüllt, „ach, daß auch der dritte erhört werde." Diese Worte machten auf Franke einen tiefen Eindruck. In seinen Vorlesungen brachte er die Sache der Judenbekehrung vor den Studenten zur Sprache, und dies gab Callenberg Anstoß, diese Angelegenheit zu seiner Lebensaufgabe zu machen. Es währte einige Zeit, bis Callenberg Mitarbeiter fand. Sie wurden ihm endlich gegeben: in einem Würtemberger Wiedmann, der schon seit einigen Jahren auf eigene Kosten unter den Juden umhergereist war, und außer diesem noch in dem jungen Candidaten Manitius aus Halle. Diese reisten, stets mit einem Vorrathe von Eremplaren jener Müllerschen u. a. Schriften versehen, in Preußen, Curland, Rußland, Dänemark und England umher, und überall besuchten sie die Juden. Einige Unterstützung fanden sie durch die Sopiety for promoting Christian Knowledge, überhaupt auch unter dem englischen Publikum. Freilich hatten sie viel zu leiden. Man verhöhnte, schlug sie, zerriß und verbrannte ihre Bücher; mit tiefer Verachtung hielten die Juden ihnen das gottlose Leben der Christen vor. Dessenungeachtet blieben ihre Bemühungen nicht ohne Erfolg, und wohl gedachten sie des Wortes Christi: „Der Eine säet, der Andere erntet." Die neue Buchdruckerei lieferte eine große Anzahl Bücher: der Absatz war so stark, daß in