Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 7-8 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554778--05174-2561124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
126 peitscht Jahrhunderte laug, erhält seine wunderbare Jsolirung — eines der wundersamsten Phänomene in der Welt. Dies ist, von allem Anderen abgesehen, eines der unabweislichsten und wichtigsten Zeugnisse für die Wahrheit der Schrift, und wie es schon von dem verstorbenen Erzbischof von Dublin auseinander gesetzt worden ist: nichts kann wunderbarer sein, als daß die Juden gerade das Buch aufbewahren mußten, welches sie verurtheilt, und in welchem ihr eigener großer Prophet Moses mit brennenden Worten gegen ihren Götzendienst und Gottlosigkeit Zeugniß ablegt. Und doch so steht es nun einmal. Vor ganz kurzer Zeit kam ein junger Jude in mein Studirzimmer, und als er eine hebräische Bibel auf meinem Bücherbrett bemerkte, ergriff er sie, küßte sie und drückte sie an sein Herz, als ob sie der kostbarste Schatz wäre. Ich sage deshalb: damit legen diese Juden ein großes Zeugniß für die Wahrheit des Wortes Gottes ab. Der spanische Priester, auf den ich mich schon bezogen habe, erging sich mit einer Art verächtlichen Triumphs über die gegenwärtige, entwürdigte Lage des Volkes Israel. Er frug spöttisch: „ sind das die außerordentlichen Leute, welche den wunderbaren Tempel zu Jerusalem erbaut haben? Wo sind ihre Künste, ihre Wissenschaften, ihre Architektur, ihre Schulen?" Nun wir Alle räumen den entarteten Zustand des israelitischen Volksftammeö ein, aber wenn wir unsere Bibel austhun, sehn wir auch, daß sie eben Vertriebene und Wandernde, ein Sprichwort und Gespött unter den Nationen geworden sind. Von der Zeit der Zerstörung ihrer Stadt und der Aufhebung ihres politischen Gemeinwesens bis herab zu dem letzten unbarmherzigen syrischen Blutbade stehen ihre Verfolgungen als Volk ohne Gleichen da. Ich glaube Walter Scoll ist es, der einmal in etwas seltsamer Weise in einer von seinen Schriften sagt, daß es mit einziger Ausnahme der fliegenden Fische kein Geschlecht im Himmel, auf Erden, oder unten im Meere giebt, welches solche Verfolgungen und solches Unheil erduldet hätte, als das jüdische Volk. Und wir kennen den Grund dessen — es ist das Alles eine Folge nicht bloß ihrer Verfolgung des Messias, sondern auch ihrer Untreue gegen das Wort Gottes selbst. Denn obwohl sie die Bibel bewahrt und so hoch geschätzt haben, daß sie sogar die Buchstaben derselben zählen, haben sie doch ohne Zweifel ihre