Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 7-8 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Rath auszuführen. Und in der That fechten die Orthodoxen nicht das Dasein der Geister an, sondern wollen beispielsweise auch die Stellen des Gebetbuches erhalten wissen, welche dieselben erwähnen. Sie nennen in demselben die Engel Geister Gottes, sprechen dort von ihrer unaufhörlichen Anbetung des Ewigen, führen auch Namen derselben an: Michael, Gabriel, Uriel, Raphael, und bezeichnen sie in der Liturgie wohl als Schutzgeister. Dagegen lassen die orthodoxjüdischen Bücher der Gegenwart das Thema völlig bei Seite. Herrscht überhaupt unter den Orthodoxen ein auffallender Mangel an gründlicherem Eingehen in die Fragen der Glaubenslehre, so muß das natürlich um so mehr bei denjenigen Theilen der Fall sein, welche für die bloße Verständigkeit ganz bei Seite liegen. Widerspricht man daher unter den Orthodoxen in diesem Punkte nicht der Schrift und weiß man doch auch nichts dafür zu sagen, als etwa dies, daß man das Alte nicht verändern solle, so bestreitet man dagegen auf Seiten der Reformer die Existenz der Geister überhaupt und fordert die Beseitigung der Stellen aus dem Gebetbuche, welche Namen derselben nennen oder mit einer Lehre über die Engel sich beschäftigen. Man betrachtet aber selbst die Geister theilweise als Personifikationen göttlicher Eigenschaften und Kräfte, theilweise als Personifikationen der Macht des Bösen. Das Alte Testament, so behauptet man, habe nur in diesem Sinne etwas mit Geistern zu thun, fordere aber durchaus nicht sie als wirkliche Wesen anzuerkennen. Man geht aber noch einen Schritt weiter und erklärt, daß die Juden den Glauben an Geister erst aus der babylonischen Gefangen- "schast mitgebracht hätten. In Persien habe man sich diese heidnische Anschauung angeeignet, wird behauptet, nichts desto weniger aber sogleich darauf versichert, daß nach der Rückkehr aus dem Exil die Juden keine Zauberei mehr getrieben hätten. Man merkt gar nicht den Widerspmch. Wenn dann später im Talmud aufs Weiteste und Breiteste die Engel-und Dämonenlehre sich geltend macht, so sagt man, dieselbe sei nie ein Dogma des Judenthums gewesen, während bekanntlich der ganze Talmud als Wort des lebendigen Gottes sich ausgibt, und Niemandem gestattet in seinen Ausführungen das Eine als Dogma zu behalten, das Andere als nichtdogmatisch zu verwerfen. Die Schuld