Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 5-6 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 der christlichen Völker immer wieder zum Bekenntniß der Dreieinigkeit zurückzuführcn, nachdem man im Namen des Verstandes längst daffelbe beseitigt zu haben meinte. Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit weiß eben darum nichts von einer Beschränkung in Gott, weil ein beständiges Geben und Empfangen dessen, was eine jegliche der drei Personen hat, unter ihnen stattfindet. Ein Gleichniß dieses unaufhörlichen Gebens deS Eigenen und Empfangens des Anderen könnte dies anschaulich machen. Lassen wir an drei verschiedenen Stellen eines entzündbaren Gegenstandes Flammen entstehn, so nehmen wir bald die Vereinigung dieser drei zu einer Flamme wahr: ein fortwährendes Jneinanderwogen verbindet diese Mehrzahl zur Einheit. Von ihrem Brennpunkte aus läßt eine jegliche der Flammen ihren Inhalt in die beiden anderen überströmen und erfährt ihrerseits das Gleiche. So ist einerseits jede nur in der gemeinsamen Einheit vorhanden, und andererseits doch wiederum als besondere erkennbar; nur hat keine ihr Eigenes für sich selbst allein, sondern in jedem Moment all' das Ihre zugleich für die anderen. Und wir sollten denken, erst wenn Gott dreieinig ist, kann auch die ganze Fülle und die ganze Wahrheit des göttlichen Wesens ewig in ihm erfunden werden. Mit Recht bezeichnet man jüdischerseits Gott als den absoluten, den unbeschränkten Geist. Frägt man aber nach dem Wesen des Geistes, so stellt man als solches die drei Grundvermögen der Erkenntniß, des Gefühls und des Willens dar. Wäre nun Gott nur einpersönlicher Geist, und versuchte man hiernach die oben angegebenen Bestimmungen vom Wesen des Geistes auf Gott anzuwenden, so würde man allein zu Folgendem gelangen: 1) zu einer ewigen Erkenntniß, welche sein Ich von sich selbst besitzt, 2) zu einem Gefühl der Seligkeit des Jch's in diesem seinem Dasein, und 3) zu einem Willen des göttlichen Jch's in solchem Dasein auch selig sein zu wollen. Einem derartigen Gott aber fehlte einmal die lebendige Bewegung, die lebendige Thätigkeit. Um seine Macht zur That werden zu lassen, müßte er schaffen; die Schöpfung also verhülfe ihm erst zur wirklichen That, zu einem Herausgehen aus sich selbst, zu einem Verlassen des Zustandes, der nur mit dem eigenen Selbst zu thun hat und daher ge-