Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 3-4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Zu bemerken ist, daß in Rußland die Misston nur im Anschluß an die bestehenden Kirchen und Pfarreien als ein Theil pastoraler Amtswirksamkeit getrieben werden darf, in Folge dessen aber auch die Sache eine Sache der Kirche selbst wird und nicht der Privatthätigkeit allein überlassen bleibt. Daß übrigens die Juden ihrerseits dieses Werk in Livland nicht gering schätzen, beweist, wie gesagt, die Erregtheit ihrer Blätter; in den Ostseeprovinzen hat es eine förmliche Literatur hervorgerufen. Orthodoxes und Reform-Judenthum der Gegenwart. (Fortsetzung.) Da nehmen nun die Reformer für sich das Verdienst in Anspruch die rechte Stellung zum Alten Testament und zum Talmud gezeigt zu haben. Man erkenne unter ihnen den historischen Charakter dieser Schriften, aber wisse auch den ewigen Gehalt derselben zu schätzen, das geschichtliche Gewand, welches mit den Zeiten wechseln dürfe und die bleibenden Ideen, die sich selbst mit den fortschreitenden Jahrhunderten die entsprechende Erscheinung schaffen; man unterscheide den Kern von der Hülle oder Schale. Rach dem Vorigen würden wir dann als diesen Kern den letzten Niederschlag der allgemeinen religiösen Ideen der Menschheit anzunehmen haben, und wir sahen auch, bis zu welchem Resultat abgeblaßter Unbestimmtheiten man zurückgedrängt werden müßte. Im Allgemeinen ist aber ersichtlich geworden, daß die Orthodoxen es selbst verschulden, wenn sie von ihren Gegnern aus allen ihren Positionen getrieben werden. Offenbarung und Schrift gehen verloren, wenn man mit den Orthodoxen die Vernunft trotz der Sünde im Besitz der ewigen Wahrheit schon an sich selbst denkt' Der Offenbamng wird dann ihr Gebiet immer streitig gemacht und die Vernunft als völlig ausreichend auch in göttlichen Dingen angesehen werden. Gerade die gewaltige Entfaltung des natürlich menschlichen Vermögens in unseren Tagen wird, wenn die Offenbarung keine andere Bedeutung hat, den Menschen verführen sich mit dem höchsten Schein des Rechtes