Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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187 einer großen Zahl ihrer christlichen Altersgenossinnen ersparen, denn die jüdischen Jungfrauen heirathen im Allgemeinen überaus früh, bleiben höchst selten ehelos und treten nur ausnahmsweise in dienende Verhältnisse. Diese Bemerkungen müssen umsomehr gemacht werden, als das männliche Geschlecht der Juden in den für die Keuschheit besonders gefährlichen Jahren durchaus sich nicht vor der Heranwachsenden christlichen Jugend auszeichnet, und, was doppelt traurig ist, die Befriedigung seiner fleischlichen Lust nicht in jüdischen, sondern vorherrschend in christlichen Kreisen sucht. Werden aber unter den Juden nur wenige uneheliche Kinder geboren, so ist schon dies ein Grund der Erklärung für ihre im Verhältniß zu den Christen stärkere Vermehrung. Denn es ist bekannt, daß der Tod gerade unter den unehelichen Kindern früh eine sehr reichliche Ernte halt. Der genannte Umstand also ist von Wichtigkeit für die Erfahrung, daß viel häufiger die israelitischen Kinder am Leben erhalten werden als die christlichen. Doch werden noch zwei andere Faktoren als mitwirkend gelten müssen. Einmal hat die jüdische Bevölkerung eine verhältnißmäßig viel größere Zahl wohlhabender Glieder aufzuweisen, und sodann werden der jüdischen Frau viel weniger schwere Arbeiten als ihrer christlichen Mitschwester, zumal in den niederen Ständen, zugemuthet. Andererseits muß aber auch zum Ruhm der Juden hervorgehoben werden, daß ein der Regel nach wirklich inniges Familienleben unter den Israeliten eine schonende Behandlung der Frau durch den Mann bewirkt, und eben deshalb viele ungünstige Momente für das Gedeihen der Kinder fortfallen. Die jüdischen Ehe-, Reinigungs- und Speisegesetze verhindern überdem eine große Zahl grauenvoller Krankheiten, unter denen am meisten das zarte Geschlecht der Kinder zu leiden hat und durch die es den Todeskeim als Erbe von den Eltern mit auf die Welt bringt. Die jüdische Frau wird im Allgemeinen früher reif als die christliche und in geschlechtlicher Beziehung später welk als das Weib des nördlichen, östlichen und westlichen Europas, so daß ein großer Kinderreichthum in dem israelitischen Stamme zu bemerken ist. Ueberdies werden von Jüdinnen viel häufiger Knaben geboren, als es unter den christlichen Völkern der Fall zu sein pflegt.