Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554765-2554772--05017-2560963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
169 Das Wort „Geheimniß" braucht er ja nicht in dem Sinne, daß ihm bekannt sei, was allen Anderen verborgen geblieben, und daß Gott ihm etwa eine specielle Unterweisung, die er.den Uebrigen vorenthalten, habe angedeihen lassen, sondern wie schon zuvor gesagt, was überhaupt für den Menschen unergründlich ist und allein Gottes freier Wille kund thut, das nennt der Apostel „Geheimniß." Darum beruft er sich nachher auch auf das Wort der alttestamentlichen Propheten, welche in der gleichen Erkenntniß mit ihm stehn, und nur um deßwillen braucht er das Wort „Geheimniß," daß man ihm für eine, menschlich gesprochen, unfaßbare Sache, nämlich für die einstige Bekehrung des jetzt abtrünnigen Israel und für die segensreichen Folgen, welche die ganze Welt davon haben wird, Glauben schenke. Mit dem Augenschein steht dieselbe freilich zu sehr im Widerspruch, aber sie ist eben „Geheimniß," im Rache Gottes nach der Schrift dennoch beschlossen. Mit der Schristautorität will sich Paulus Eingang verschaffen und nicht mit seinem persönlichen Ansehn; der Schrift sollen sich die Heidenchristen nun auch wieder beugen, nachdem er ihnen doch gegenüber Israel die Gegenwart des Reiches Gottes zugesprochen hat. Seine Worte aber lauten so V. 25, 26, 27: „Denn ich will nicht, daß ihr in Unwissenheit seiet, meine Brüder, über dieses Geheimniß, damit ihr nicht in euren eigenen Gedanken verständig seiet. Blindheit ist Israel theilweise widerfahren, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei. Und also wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: Es wird aus Zion kommen, der da erlöse und wird abwenden das gottlose Wesen von Jacob. Und das ist ihnen der Bund von meiner Seite, wenn ich ihre Sünden wegnehme." Die Heidenchristen führt Paulus über ihr eigenes Meinen und Verstehen hinweg; er weiß, daß sie in Gefahr sind gerade dem eigenen Grübeln und den Speculationen ihres Verstandes zu trauen. Die Art, welche Hernachmals die Völker so sehr betrogen hat, daß sie in den verschiedensten Philosophien, die allzumal auf der Grundlage eines selbst erdachten und nach ihrer hoffährtigen Voraussetzung für Alles geltenden Satzes sich erbauten, die Wahrheit gesucht, und wenn auch