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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 11-12 (1868) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
11-12 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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164 „Du sprichst nun; die Zweige find ausgebrochen, daß ich hineingepftopft würde. Ist wohl geredet. Sie sind ausgebrochen um ihres Unglaubens willen, du aber stehst durch den Glauben; sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Denn hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschont, daß er vielleicht deiner auch nicht verschone." Vor dem Stolz, der Hoffahrt, Israels Grundverderben, warnt Paulus seine Heidenchristen, und besonders die Christen Roms, der weltbeherrschenden Stadt, welche alle Nationen zu ihren Füßen sah. Es ist ja richtig, daß der himmlische Gärtner die dürren Zweige aus Israel abgehauen hat, und da seine Liebe ihm verbot den Baum kahl dastehn zu lassen, an ihre Stelle Zweige aus allen Völkern eingesetzt hat. Aber diese Wahrheit soll nicht dazu führen, daß die Heidenchristen etwas aus sich selbst machen und sich gegen Israel brüsten, als habe dasselbe ihnen, den Würdigeren, Platz machen müssen, oder als sei es fortan aus mit Israel. Einerseits hat dem gegenüber Paulus schon daray erinnert, daß die Heidenchristen doch immer nur die Zweige seien, Israel dagegen der Stamm des Baumes selbst; andererseits weist er darauf hin, daß die Völker ja nicht in ihrem natürlichen Wesen, sondern durch den Glauben, welcher es sich demüthig gefallen ließ von dem eigenen Stamm abgehauen und in einen fremden eingepfropst zu werden, Zweige des fruchtbaren Oelbaums geworden sind. Der Glaube allein ist es, welcher einen Menschen als Zweig an dem Baume des Reiches Gottes erhält. Wo der Glaube fehlt, da mag Einer Jude oder Glied der großen Völkerwelt sein, er wird unweigerlich abgehauen. Die erschreckende Thatsache, daß mit einem Male nach tausendjähriger Zugehörigkeit zum Reiche Gottes der allergrößte Theil Israels dennoch aus dem Reiche der Gnade verstoßen ist, soll heilsame Furcht in den Herzen der Heidenchristen erwecken. Niemand unter ihnen soll sich hoffährtig mit den verstoßenen Juden vergleichen, sondern es soll sie vielmehr die heilige Sorge erfüllen, in dem Glauben festzustehn, welcher allein das Band ist, das mit der Gottesgemeinde verbindet. Denn der Glaube ist ein demüthiges Aufnehmen der Säfte des Lebens aus dem Boden der Gnade, die keinen natürlichen Anspruch gelten

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