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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 5-6 (1868) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
5-6 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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69 Der Religionskrieg, in welchen die weißen Fremdlinge das Volk gestürzt hatten, veredelte nicht die Gemüther, noch hob er den moralischen und religiösen Charakter desselben. Das Volk, gleichsam trunken von seinem unerwarteten Siege über Männer, welche das von Blut triefende Schwert schwangen, während sie Vorgaben, Boten des Friedens zu sein, überließ sich nun der ausgelassensten Freude. Die Priester nahmen es nicht so streng mit der Zucht ihrer Heerden, und die Heerden verschlossen ihre Augen gegen die Gebrechen der Priester. Große Sittenlosigkeit und herabwürdigende Verderbniß brachen die schwachen Schranken nieder, welche einige unbestimmte religiöse Ideen errichtet hatten, und die schändlichsten Saturnalien wurden von der nachsichtigen Kirche übersehen, wenn nicht geradezu erlaubt. „Gebet, gebet!" war der Wahlspruch der geistlichen Väter, und so lange als echte Maria Theresien-Thaler in ihre Hände glitten und Flaschen mit Meth die Wände ihrerHäuser schmückten, fand jede Sünde Verzeihung und jede Ausschweifung Entschuldigung. Der Abuna hätte viel thun können, dieser schamlosen Laxheit der Zucht Einhalt zu thun; aber gleichgültig gegen seine Pflicht, unbekannt mit der Sprache und oft, wenn nicht gewöhnlich der seligmachenden Wahrheit der Lehren ftemd, über welche er zu wachen vorgab, ließ er es gehen, wie es ging, und seine großen Einkünfte nahmen mehr Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch, als die Wohlfahrt des Sprengels, der ihm anvertraut war. Innerhalb des letzten halben Jahrhunderts erwachte in dem Herzen einiger großmüthiger und wohlwollender Herren, die mit der kirchlichen Missionsgesellschaft verbunden waren, das Verlangen nach der Wiedergeburt des entfernten und isolirten Lundes. Einige Missionare waren bereit, sofort zu diesem Zwecke nach Abyssinien abzureisen. Ihr Eifer und ihre Fähigkeiten machten sie zu dieser schweren Aufgabe ganz geeignet Unmittelbar nach ihrer Ankunft in der moralischen Wüste begannen sie den geistlichen Samen auszustreuen, welcher, wenn er aufgegangen und Wurzel geschlagen hätte, jene Berge schon längst mit einer herrlicheren Erndte geschmückt haben würde, als selbst die so reiche Natur von selbst erzeuget. Um nicht die Vorurtheile der Eingebornen durch einen voreiligen Angriff auf ihre entstellte Kirche zu heftig zu erschüttern, beschränkten sie ihre Arbeiten auf die Verbreitung des

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