Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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88 bereits am 14. November 1865 selig Heimgegangene Verfasser jenes Artikels, Pastor Harms, hatte sich in demselben gegen die Judenmission ausgesprochen und gradezu erklärt: „Die Predigt an das Judenvolk hilft nichts, sie sind verstockt, bis die Fülle der Heiden wird eingegavgen sein.... Dazu ist es bekannt, daß unter 100 Einzetbekehrungen kaum eine aufrichtig ist. Wem also wirklich an der Bekehrung Israels gelegen ist, der wende sich mit ganzer Macht auf die Bekehrung der Heiden." — Wir freuen uns nun, sagen zu können, daß der treue Knecht des Herrn, der während seines Lebens so ausgezeichnet Großes in der Ausbreitung des Reiches Gottes in der Kirche und Mission geleistet hat, seine Meinung über das Werk und Wirken der Judenmission, zum Theil wenigstens, geändert hat. In seinen „Predigten über die Episteln des Kirchenjahres," die 1865 in Hermannsburg erschienen sind, spricht er besonders in zwei Predigten über die Judensache. Am Fest der Himmelfahrt Jesu Christi behandelt er den Tert Apostelgeschichte 1, 1—11 und also auch die Frage der Jünger an den Herrn: „Herr, wirst Du aufdiese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel?" Da meint nun freilich Pastor Harms: „Den lieben Aposteln Schuld zu geben, daß sie damals noch diese Meinung getheilt hätten, Jesus werde ein irdisches Reich aufrichten, das kommt mir doch zu arg und unwahr vor. Leute, die drei Jahre von Jesu unterrichtet waren, die so oft mit ihren eigenen Augen gesehen hatten, wie Jesus mit Fleiß den Leuten aus dem Wege ging, die Ihn zum Könige machen wollten, die selbst gehört hatten, wie Jesus feierlich vor Pilatus bezeugte: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, die sollten doch noch die albernen Träume von einem jüdischen Weltreiche auf Erden gehegt haben? Das ist doch wohl unmöglich" u. s. w. Daß „die lieben Apostel" unter dem Reich, ein geistliches Reich Israel, nämlich, wie Harms weiter sagt, „die Bekehrung aller Juden und Heiden zu der christlichen Kirche," sollten verstanden haben, als sie dem Herrn die Frage wegen der Herstellung des Reiches Israel vorlegten, dazu wird ein Glaube erfordert, der weit über das Wort der Schrift hinausgeht. Wie wenig die Apostel an ein solches geistliches Reich Israel, oder in dem Sinne von Harms, an die christliche Kirche