Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554765-2554768--04881-2560823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 Vergebung schöpfen, daß wir seien beide „Dein heiliges Volk und die Erlösten unseres Herrn," und Dein Zion „die unverlassene Stadt." Herr, Herr, nimm an unser Gebet und laß Dir Wohlgefallen das Gespräch unseres Herzens vor Dir — um Jesu willen! Amen. „Um Zion willen, so will ich nicht schweigen, und um Jerusalem willen, so will ich nicht inne halten." —Lange genug hat die Kirche von Zion geschwiegen. Und wenn man in unsrer Zeit angefangen hat, auf sie die Blicke zu lenken, so ist's doch eben erst ein Anfang, und ein noch sehr schwacher Anfang. Und doch, wie starke Mauern lagern um diese Stätte die Verheißungen Gottes. Jerusalems Mauern konnten fallen, Gottes Verheißungen fallen nicht. Oder sind sie an ihr schon erfüllt? ist die Zeit vorüber, von der der Prophet sagt: „Wie sich ein Bräutigam freuet über der Braut, so will sich dein Gott über dir freuen?" Nein! Deutet man auch mit gutem Recht die hehren Verheißungen der Propheten auf die geistliche, neuteftamentliche Zion, so meinen wir doch, daß man auch dann nicht berechtigt sei, solche Verheißungen gänzlich von der Stätte zu trennen, der sie doch zuerst und zunächst geredet sind. Darum, wie wir trotz dessen, daß es auch in unsrer Zeit wenig dazu sich anlassen will, im Glauben an der Hoffnung halten, daß Abrahams Söhne zuletzt doch noch an sich die Erfüllung der Worte schauen werden: „Man wird sie heißen das heilige Volk, die Erlösten des Herrn," — so auch an der Hoffnung, daß die Stadt, über der Gottes schwere Zorneswolken Fluch und Vernichtung entladen haben, noch einmal dastehen werde „eine schöne Krone in der Hand ihres Gottes; wie ein Bräutigam mit priesterlichem Schmuck gezieret, und wie eine Braut in ihrem Geschmeide prangend." So thöricht und eitel und darum wohl zur Zeit auch aufgegeben die Erwartung ist, als könnte Israels Volk durch irgend welche äußeren, also politischen Verhältnisse, durch irdische Macht und Hülfe noch einmal ein Volk und Erbe des Heiligen Landes werden, so unhaltbar ist die Aussicht, als könnte Jerusalem seine Zukunft erfüllen und seine durch die Propheten geweissagte Schöne und Herrlichkeit anziehen durch irgend welche äußerliche Veranstaltung und Beachtung. Und