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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 1-2 (1868) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
1-2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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27 Magdala, Abyssinien, den 30. April 1867. Mein theuerer Schwiegervater! — Wir müssen mit unserm Briefwechsel sehr vorsichtig sein; die Straße von hier nach der Küste wird von Räubern so beunruhigt, daß die Boten, um sicher durchzukommen, oft genöthigt sind, die Briefe und andere kleinere Dinge, welche sie bei sich haben, in ihre Kleider zu nähen. Du hast die verschiedenen Phasen unserer Laufbahn, unserer Erfolge und Mißerfolge verfolgen können, aber Du täuschst Dich vielleicht, wie viele Andere, über das Schicksal, das uns noch bevorsteht. Das Portrait des Königs Theodorus ist von seinen Biographen so schlecht gezeichnet worden, daß Du diesen wunderbaren Mann wahrscheinlich nicht kennst. Daher will ich versuchen, Dir eine summarische Ueberstcht von alle dem zu geben, was den Europäern unter der Regierung des jetzigen Herrschers zugestoßen ist. Wenn wir alle Berichte der Reisenden seit Pater Lobo, welcher Abyssinien im fünfzehnten Jahrhundert besuchte, sowie die neueren Forschungen eines Bruce, Salt, Gobat, Tanister, Parkin rc. lesen, so finden wir überall dieselben Bürgerkriege, indem mächtige Lehnsherrn darnach trachteten, die Oberherrschaft an sich zu reißen, ganze Provinzen verwüstet wurden und große Schlachten dem Lande auf einige Monate oder einige Jahre den Frieden Wiedergaben. Rach einiger Zeit standen wieder neue Gegner auf, und der zeitweiligen Ruhe folgte bald wieder Anarchie und Unordnung. Daher darf man sich gar nicht wundern, wenn unter der Regierung Königs Joannes, oder vielmehr unter der Herrschaft seines allmächtigen Ministers, Ras- Ali, ein junger, mit höhern Familien verwandter aber armer Mann, die kaiserliche Macht und den feigen Ras verachtete und seine Unabhängigkeit proklamirte. Kein Wunder, wenn eS dem etwa zwei- oder dreiunddreißigjährigen kühnen, besonnenen, frommen und geistesüberlegenen Manne leicht gelang, eine Schaar tapferer und verwegener Krieger unter seine Fahnen zu sammeln. Ras-Ali wurde unruhig; er gab ihm seine Tochter zur Frau und machte ihn zum Statthalter des Landes, das er für sich selbst bestimmt hatte. Kassa ging darauf ein; aber von nun an strebte sein Ehrgeiz nach Soudan, der Wiege des berühmten Reiches Abyssinien. An der Spitze von 16,000 bis 20,000

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