Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 1-2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 digten über das Leben Luther's, es hätte dieser einmal von einem Propst in Köln erzählt, welcher aus dem Judenthum stammte. Dieser habe in seiner Truhe, die erst nach seinem Tode geöffnet ward, das gegossene Bild einer Katze und einer Maris einander gegenübergestellt, mit der Inschrift: „Wenn diese Katze die Maus frißt, vann wird ein getaufter Jude ein rechter Christ." Mit dieser gerade nicht sehr geistreichen Erzählung haben nun die Juden und die Feinde der Juden viel agirt. Aber Luther, wie aus den Tischgesprächen hervorgeht, hat sie gar nicht so erzählt. Er sagte*): „Daß zu Köln in einer Kirche stünde ein Dechant in die Thür gehauen, der Hab in einer Hand eine Katzen und in der andern eine Maus. Dieser Dechant ist ein Jude gewesen und hat sich taufen lassen und sich zum Christenthum begeben; nach seinem Tode hat er sich also lassen in Stein an die Kirchthür hauen, damit er wollen anzeigen, als wenig die Katze der Maus kann gut sein, also wenig ist ein Jude einem Christen gut." — Schon am Ende des 17. Jahrhunders wußte man in Köln von einem solchen Bildniß nichts. Wenn es vorhanden war, so ist obige Erzählung einer jener volksthümlichen und volkswitzigen Deutungen antiker Monumente, wie sie bis auf diesen Tag nicht selten sind. Bekanntlich wird Apollon als Smintheus mit einer Maus in der Hand dargestellt gefunden und in der Volkslegende ist der heilige Ricasius als Vertreiber der Mäuse an seine Stelle getreten. Irgend ein ähnlich Bildwerk kann die Veranlassung gewesen sein. Als der Jude Benjamin von Tudela eine Apollostatue in Rom sah, hielt er sie für Absalon, den aufrührerischen Sohn Davids, des langen Haares willen. Ein wahres Ereigniß in der literarischen Welt war im Jahre 1770 das Schreiben Lavater's an Mendelssohn, in welchem er ihn ersucht, die Gründe für das Christenthum, wie sie das Buch von Bonnet enthielt, entweder zu widerlegen, oder zu thun, was ihn dann Klugheit, Wahrheitsliebe und Redlichkeit thun heißen würden, nämlich das Christenthum anzunehmen. Mendelssohn lehnte dies nicht ohne Empfindlichkeit ab, doch kommt in seinem Antwortschreiben folgender Satz vor: Ich habe das Glück, so manchen vortrefflichen Mann, *) Tischgespräche ed. Förstemann 4. 625.